Druckschrift 
11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
Entstehung
Seite
365
Einzelbild herunterladen
 

365

nicht durch unsere nützlichen und vernünftigen Inter-essen, geschweige durch unsere Tugend und Weisheit.Die Welt ist Begierde.

45 °-

Gegen Schopenhauer: er hat die Miene eines

Menschen, der zufrieden mit sich ist, so gut zu redenwie die Personen Racines und Schillers (nach Stendhal).Gut, er ist voller Leidenschaft, aber zunächst ist er zu-frieden damit, gut zu sprechen.

451 -

Ich finde Schopenhauer etwas oberflächlich in seeli-schen Dingen, er hat sich wenig gefreut und wenig ge-litten: ein Denker sollte sich hüten, hart zu werden,woher soll er dann sein Material bekommen? SeineLeidenschaft für die Erkenntniss war nicht gross genug,um ihrethalben leiden zu wollen: er verschanzte sich.Auch sein Stolz war grösser als der Durst nach Er-kenntniss, er fürchtete für seinen Ruf, im Widerrufen.

45 2 -

Schopenhauer hatte sich seinen Ruhm zu früh fest-gestellt und war nicht stolz genug, sich gegen seine aus-gesprochenen Grundsätze weiter zu entwickeln. Erfürchtete für seinen Ruhm und zog die verhältnissmässigeUnfruchtbarkeit der Beschämung vor, sich widersprechenzu müssen.

453 -

(Vgl. Morgenröthe, Aph. 481.)

Stark empfinden, eine starke Empfindung lange an-halten lassen können und auf einer Seite viele Melodienspielen, das macht die grossen Pathetiker unter dengrossen Schriftstellern, zu denen auch Schopenhauer ge-