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11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
Entstehung
Seite
361
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selbst im Motiv der Kunst noch gebrandmarkt, undumgekehrt: der Fanatismus, die todwüthendeLiebe durchdie Kunst gepredigt. Im eignen Leben völlig bequem,bekennt man sich zu den extremsten fanatischen Tugen-den (wie Keuschheit, Heiligkeit, unbedingte Treue):so wird alles eine Schule des Fanatismus, Kunst, An-sichten, Anhänger.

439 -

(Vgl. Menschliches I, Aph. 617 ; oben S. 55, Sorrentiner Papiere, Aph. 36.)

Was ein Künstler an Meinungen Sympathien Anti-pathien Gewohnheiten Excessen alles nöthig hat, um dieLuft sich zu schaffen, in der er seine Productivität wach-sen fühlt, das geht uns alles nichts an: so wenig unsder Boden kümmert, wenn wir Brod essen. Verlangter freilich, dass wir alles jenes mit ihm theilen, um ganzden Genuss seiner Kunst zu haben, so ist zu antworten,dass der Genuss des grössten Kunstwerkes ein einzigesverschrobenes Urtheil, eine Verrückung unserer Stellungnicht aufwiegt. Das Kunstwerk gehört nicht zur Noth-durft, die reine Luft in Kopf und Charakter gehört zurNothdurft des Lebens. Wir sollen uns von einer Kunstlosmachen, die ihre Früchte zu theuer verkauft. Hält esein Künstler nicht in der hellen guten Luft aus, musser, um seine Phantasie zu schwängern, in die Nebelhöh-len und Vorhöllen hinein, gut: wir folgen nicht. Ebensowenn er Hass und Neid braucht, um seinem künstlerischenCharakter strenge Treue zu wahren. Ein Künstler istnicht Führer des Lebens, wie ich früher sagte.

440.

(Vgl. Meinungen u. Sprüche, Aph. 186; Morgenröthe, Aph. 41, 548.)

Man soll das unbeschreibliche Unbehagen, welchesso oft productive Menschen um sich verbreiten, als Gegen-