314 -
(Vgl. Menschliches, Allzumenschliches I, Aph. 95.)
Nicht an den andern denken, alles strengstensum seiner selber willen thun ist auch eine hohe Mora-lität. Der Mensch hat so viel für sich zu thun, dass erimmer fahrlässig ist, wenn er etwas für andere thut.Weil so viel für andere gethan wird, deshalb sieht dieWelt so unvollkommen aus.
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(Vgl. Götzendämmerung, Moral als Widernatur, Absclin. 3.)
Wer tiefer Empfindungen fähig ist, muss auch denheftigen Kampf derselben gegen ihre Gegensätze leiden.Man kann, um ganz ruhig und leidlos in sich zu sein,sich eben nur die tiefen Empfindungen abgewöhnen, sodass sie in ihrer Schwäche eben auch nur schwacheGegenkräfte erregen: die, in ihrer sublimirten Dünne,dann wohl überhört werden und dem Menschen denEindruck geben, er sei ganz mit sich im Einklänge. —Ebenso im socialen Leben: soll alles altruistisch zugehn,so müssen die Gegensätze der Individuen auf ein sublimesMinimum reducirt werden: so dass alle feindseligen Ten-denzen und Spannungen, durch welche das Individuumsich als Individuum erhält, kaum mehr wahrgenommenwerden können, das heisst: die Individuen müssen aufden blässesten Ton des Individuellen reducirt werden!Also die Gleichheit weitaus vorherrschend! Das ist dieEuthanasie, völlig unproductiv! Ebenso wie jene Men-schen ohne tiefe Empfindungen, die liebenswürdigen,ruhigen und sogenannten glücklichen, eben auch unpro-ductiv sind! Der Werth der Wissenschaft ist, eine un-geheure Gegenkraft zu sein: vielleicht entzündet sich, im