309
305 -
(Vgl. Jenseits von Gut und Böse, Aph. 220.)
Sympathie für jemand: das heisst, ihn nicht fürchtenund Freude von ihm erwarten. Und das soll unegoistischsein!
306.
Unsere Nächsten geben im Kreisläufe unserer kör-perlichen und seelischen Functionen die Gelegenheits-ursachen ab, um physiologische Vorgänge, die in unsnöthig sind, zu fördern.
307-
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 145.)
Das Bild des Nächsten, wie es uns immer vorschwebt,ist entweder das Erzeugniss einer Fülle, die nach Ent-ladung begehrt, oder einer Leere, die nach Füllung be-gehrt, — es ist immer ein physiologischer Zustand, fürden wir kein eigentliches und bezeichnendes Wort haben.
308.
Kein Blut sehen können — ist das moralisch?
309-
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 221.)
Der Impuls, sich zu opfern, gilt für gut. Er ist esan sich nicht: wie sollte Schaden thun irgend jemandanderm (in diesem Falle sich selber) an sich gut sein?Und noch dazu ist dieser Schaden ein so überflüssiger!Nichts als ein Gelüst der Herrschsucht und des Trotzesgegen sich, welches sich nicht vernünftig zu befriedigenweiss.