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Jeden Augenblick kann eine moralische Empfindungso stark werden, dass sie partielle Unfruchtbarkeit er-zeugt, zum Beispiel der Trieb nach Wahrheit könnte dieKunst tödten und den geselligen feinen Verkehr, ebensodie Beredsamkeit. Die Keuschheit, die Freigebigkeit, derFleiss, die Reinlichkeit. (Puritaner gegen das Theater,Xenophon gegen das Agonale, Plato.)
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(Vgl. Fröhliche Wissenschaft, Aph. 1, 4, 21.)
Inwiefern hat die Moral schädlich gewirkt? Insofernsie den Körper verachtete, im Asketismus der Pflicht,des Muthes, des Fleisses, der Treue u. s. w. Namentlichin jenem mit Religion verquickten Kanon, dass Sich-Freuden-bereiten der Gottheit unangenehm, Sich-Leiden-bereiten ihr angenehm sei. Man lehrte zu leiden, manrieth ab , sich zu freuen, — in allen Moralen, (die desEpikur ausgenommen), das heisst: die Moral war bisherein Mittel, die physiologische Grundlage des Menschenin ihrer Entwicklung zu stören; — an der Schwäche derMoral lag es, dass sie diese Grundlage nicht zerstört hat;sie war ein furchtbarer Würfel im grossen Würfelspiel. —Wir müssen das Gewissen verlernen, wie wir es gelernthaben. — Im ganzen war die grosse erhaltende Kraft,welche gegen die Moral das Übergewicht behauptete,das, was sie das Böse nannten, das Streben des Indi-viduums, sich ohne Rücksicht auf Lehren selbst zu be-haupten, sich wohl zu fühlen, sein Vergnügen, zu suchen,die näheren Bedürfnisse den entfernteren unterzuordnen,während die Moral diese nicht nur als höhere und nie-dere Bedürfnisse unterscheidet, sondern die ersteren ver-achten und oft verdammen lehrt (die sogenannten sinn-lichen Freuden).