der moralischen Prachtrede. Wem es natürlich ist, derwill, dass einfach davon gesprochen werde, womöglichetwas zu gering: so fällt es nicht in die Augen und kannstill geübt werden. Die Besten haben ein Interesse ander Verkleinerung der moralischen Wortwerthe. Andrehaben die moralischen erhabenen Attitüden nöthig, jeneHalbschauspieler, deren Werth in dem hegt, was sie be-deuten, nicht in dem, was sie sind.
196.
Es scheint, dass viele Verbrechen aus derselbenKraft stammen, aus der die pessimistische Denkweisestammt; sie sind die Entladung dieser Kraft in Hand-lungen.
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Auch die (chinesische) Tugend der Höflichkeit isteine Folge des Gedankens: ich thue den andern wohl,weil es mir so zu Gute kommt, — doch so, dass das„weil“ vergessen worden ist. Nicht aber entsteht Wohl-wollen auf dem angegebenen Wege durch Vergessen.Aber Höflichkeit ist doch sehr benachbart. — Die Chinesenhaben die Familienempfindung durchgeführt (Kinder zuden Eltern), die Römer mehr die der Väter zu der Familie(Pflicht).
198.
Seit Rousseau hat man die Unmittelbarkeit desGefühls verherrlicht, sich jemandem an die Brust werfen,seinen Zorn wie seinen Speichel auswerfen u.s.w. Sonder-bar, dass alle grossen Weisen der Moral das geradeGegentheil verlangt haben! Zurückhaltung des Gefühls —und daher die Würde im Benehmen des sittlichen Men-schen. Er giebt reizende, vollkommne Seelen, denen eswohl ansteht, weil sie kein Übermaass in sich haben: