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11 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 3 (1897) Schriften und Entwürfe 1876 - 1880 : Die Pflugschar; Die Sorentiner Papiere; Der neue Umblick; Nachträge zu den "Vermischten Meinungen und Sprüchen"; Nachträge zu "Der Wanderer und sein Schatten"; Vorarbeiten und Nachträge zur "Morgenröthe"
Entstehung
Seite
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190.

(Vgl. Fröhliche Wissenschaft, Aph. 8.)

Was an uns bemerkbar ist, das wächst oder ver-welkt unter dem Einflüsse des Lichtes, das von denandern Menschen auf uns strahlt: gleichsam als ob dieAugen der Menschen für uns nothwendige Wärme- undLichtquellen wären. Als bemerkbar und bemerkt regulirtsich das Wachsthum nach den andern, zum Beispiel unsreHaltung, Miene. Dann was wir bemerken, aber andrenicht wissen können! und endlich das, was auchwir nicht bemerken! Die Grenzen sind verschieden, vielesist mir im Licht, was andern im Dunkel ist und ent-wickelt sich folglich anders, zum Beispiel Religiosität,Sinn für Wahrheit, Sympathie, Laster.

191.

(Vgl. Morgenröthe, Aph. 103.)

Diese handeln ganz egoistisch, aber ihr moralischesUrtheil ist erzogen, alles sofort unter dem Gesichtspunktdes Löblichen und Tugendhaften zu sehen: sie sind voll-endet in ihrer Unredlichkeit gegen sich und präsentirenin der Gesellschaft dasgute Gewissen. Andre sindhöher, aber ihr Urtheil ist pessimistischen Gewohnheitenhingegeben, sie legen sich alles egoistisch aus und sieverachten alles Egoistische. Ihre edelsten Handlungenhinterlassen in ihnen einen Bodensatz von Ekel. Es sinddie, welche an eine Tugend glauben, die es nichtgiebt und geben kann! Sie sind redlich, aber habenvon ihrer Redlichkeit nur Qual und Ekel an sich: weil ihrLustgefühl auf Handlungen beschränkt ist, deren sie selbersich nicht fähig wissen: aber sie schliessen, es müsstenandern diese Handlungen möglich sein: was nichtwahr ist. Der, welcher sagte:ich habe das Gesetz er-

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