2. Aus der Geschichte der Denker undder Erkenntniss.
(Vgl. Morgenröthe, Aph. 44—51.)
36.
Wir verehren, wo wir nicht begreifen, zum Beispielbei alten Sitten, bei Worten, die mit feierlichem Tonegesprochen werden u. s. w. Aber wir sollten unser Ur-theil zurückhalten, wo wir nicht begreifen, damit deraufgethürmten Verehrung ohne Kern nicht noch mehrauf Erden werde: sieht doch unsere geistige Welt nochsehr ägyptisch aus, Wüste und ungeheure Pyramidendarin, — und in den Pyramiden, meist unzugänglich, einerbärmlicher Leichnam.
37 -
(Vgl. Fröhliche Wissenschaft, Aph. 345.)
Der Zustand der Menschheit ist immer noch ein sehrfrüher, und einige der für sie wichtigsten Fragen sind nochnicht einmal aufgeworfen worden. — Unsre jetzige Wissen-schaft hantirt mit einigen Vorurtheilen, wie als ob dieMenschheit darüber immer einig sein werde: zum Beispielüber den Werth der sympathischen Handlungen, überirdisches Wohlergehen in Bezug auf Gesundheit u. s. w.Aber wenn ein anderes Ideal entsteht, ein anderer Triebzur Herrschaft kommt, so hat die Wissenschaft wiederdiesem sich unterzuordnen! Ich versuche die Grund-