mitunter in seiner Art ernstliche Mühe um sie giebt. Fürihn verwandeln sich diese Gespenster in Begriffsgespinnsteund hohle Klangfiguren. Nach ihnen greifend wähnt erdie Philosophie zu haben, nach ihnen zu suchen kletterter an der sogenannten Geschichte der Philosophie herum— und wenn er sich endlich eine ganze Wolke von sol-chen Abstractionen und Schablonen zusammengesuchtund aufgethürmt hat, so mag es ihm begegnen, dass einwahrer Denker ihm in den Weg tritt und sie wegbläst.Verzweifelte Ungelegenheit, sich als „Gebildeter“ mitPhilosophie zu befassen! Von Zeit zu Zeit scheint es ihmzwar, als ob die unmögliche Verbindung der Philosophiemit dem, was sich jetzt als „deutsche Cultur“ brüstet,möglich geworden sei; irgend ein Zwittergeschöpf tändeltund liebäugelt zwischen beiden Sphären herum und ver-wirrt hüben und drüben die Phantasie. Einstweilen istaber den Deutschen, wenn sie sich nicht verwirren lassenwollen, ein Rath zu geben. Sie mögen bei allem, wassie jetzt „Bildung“ nennen, sich fragen: ist dies die er-hoffte deutsche Cultur, so ernst und schöpferisch, so er-lösend für den deutschen Geist, so reinigend für diedeutschen Tugenden, dass sich ihr einziger Philosoph indiesem Jahrhundert, Arthur Schopenhauer, zu ihr be-kennen müsste?
Hier habt ihr den Philosophen — nun sucht diezu ihm gehörige Cultur! Und wenn ihr ahnen könnt,was das für eine Cultur sein müsste, die einem solchenPhilosophen entspräche, nun, so habt ihr, in dieser Ahnung,bereits über alle eure Bildung und über euch selbst —gerichtet!
Nietzsche, Werke II, Abtheilung Band I.
24