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muss, um ein solches unbekümmertes Sich-Wiegen, einsolches dem Augenblick abgerungenes gleichsam zeitlosesBehagen überhaupt für möglich zu halten. In diesemZustande verlebte ich, zugleich mit einem gleichalterigenFreunde, ein Jahr in der Universitätsstadt Bonn am Rhein:ein Jahr, welches durch die Abwesenheit aller Pläne undZwecke, losgelöst von allen Zukunftsabsichten, für meinejetzige Empfindung fast etwas Traumartiges an sich trägt,während dasselbe zu beiden Seiten, vorher und nachher,durch Zeiträume des Wachseins eingerahmt ist. Wir beideblieben ungestört, ob wir gleich mit einer zahlreichen undim Grunde anders erregten und strebenden Verbindungzusammen lebten; mitunter hatten wir Mühe, die etwaszu lebhaften Zumuthungen dieser unserer Altersgenossenzu befriedigen oder zurückzuweisen. Aber selbst diesesSpiel mit einem widerstrebenden Elemente hat jetzt, wennich es mir vor die Seele stelle, immer noch einen ähn-lichen Charakter wie mancherlei Hemmungen, die einjeder im Traum erlebt, etwa wenn man glaubt'fliegen zukönnen, aber durch unerklärliche Hindernisse sich zurück-gezogen fühlt.
Ich hatte mit meinem Freunde zahlreiche Erinne-rungen aus der früheren Periode des Wachseins, ausunserer Gymnasiastenzeit, gemein, und eine derselbenmuss ich näher bezeichnen, weil sie den Übergang zumeinem harmlosen Erlebniss bildet. Mit jenem Freundezusammen hatte ich bei einer früheren Rheinreise, die imSpätsommer unternommen worden war, einen Plan fastzu gleicher Zeit und am gleichem Orte, und doch jederfür sich, ausgedacht, so dass wir uns gerade durch diesungewöhnliche Zusammentreffen gezwungen fühlten, ihndurchzuführen. Wir beschlossen damals eine kleine Ver-einigung von wenig Kameraden zu stiften, mit der Ab-
Nietzsche, "Werke II. Abtheilung Band I.
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