Erster Vortrag.
(Gehalten am 16. Januar 1872.)
Meine verehrten Zuhörer,
das Thema, über das Sie gesonnen sind, mit mir nach-zudenken, ist so ernsthaft und wichtig und in einemgewissen Sinne so beunruhigend, dass auch ich, gleichIhnen, zu jedem beliebigen gehen würde, der über das-selbe etwas zu lehren verspräche, sollte derselbe auchnoch so jung sein, sollte es an sich sogar recht unwahr-scheinlich dünken, dass er von sich aus, aus eignenKräften, etwas Zureichendes und einer solchen AufgabeEntsprechendes leisten werde. Es wäre doch noch mög-lich, dass er etwas Rechtes über die beunruhigende Fragenach der Zukunft unserer Bildungsanstalten gehört habe,das er Ihnen nun wieder erzählen wollte, es wäre mög-lich, dass er bedeutende Lehrmeister gehabt habe, denenes schon mehr geziemen möchte, auf die Zukunftzu prophezeien und zwar, ähnlich wie die römischenharuspices aus den Eingeweiden der Gegenwart heraus.
In der That haben Sie etwas derartiges zu gewär-tigen. Ich bin einmal durch seltsame, im Grunde rechtharmlose Umstände Ohrenzeuge eines Gesprächs gewesen,welches merkwürdige Männer über eben jenes Themaführten, und habe die Hauptpunkte ihrer Betrachtungenund die ganze Art und Weise, wie sie diese Frage an-fassten, viel zu fest meinem Gedächtniss eingeprägt, umnicht selbst immer, wenn ich über ähnliche Dinge nach-denke, in dasselbe Geleise zu gerathen: nur dass ich mit-