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nachts den heiligen Tempel, aus dem jeder Mann aus-geschlossen war. Als er die Mauer übersprungen hatund dem Heiligthum der Göttin immer näher kommt,überfällt ihn plötzlich das furchtbare Grauen eines panischenSchreckens: fast zusammenbrechend und ohne Besinnungfühlt er sich zurückgetrieben, und über die Mauer zurück-springend stürzt er gelähmt und schwer verletzt nieder.Die Belagerung muss aufgehoben werden, das Volks-gericht erwartet ihn, und ein schmählicher Tod drücktsein Siegel auf eine glänzende Heldenlaufbahn, um siefür alle Nachwelt zu verdunkeln. Nach der Schlacht beiMarathon hat ihn der Neid der Himmlischen ergriffen.Und dieser göttliche Neid entzündet sich, wenn er denMenschen ohne jeden Wettkämpfer gegnerlos auf ein-samer Ruhmeshöhe erblickt. Nur die Götter hat er jetztneben sich — und deshalb hat er sie gegen sich. Dieseaber verleiten ihn zu einer That der Hybris, und unterihr bricht er zusammen.
Bemerken wir wohl, dass so wie Miltiades unter-geht, auch die edelsten griechischen Staaten untergehen,als sie, durch Verdienst und Glück, aus der Rennbahnzum Tempel der Nike gelangt waren. Athen, das dieSelbständigkeit seiner Verbündeten vernichtet hatte undmit Strenge die Aufstände der Unterworfenen ahndete,Sparta, welches nach der Schlacht von Aegospotamoiin noch viel härterer und grausamerer Weise sein Über-gewicht über Hellas geltend machte, haben auch, nachdem Beispiele des Miltiades, durch Thaten der Hybrisihren Untergang herbeigeführt, zum Beweise dafür, dassohne Neid, Eifersucht und wettkämpfenden Ehrgeiz derhellenische Staat wie der hellenische Mensch entartet. Erwird böse und grausam, er wird rachsüchtig und gottlos,kurz, er wird „vorhomerisch“ — und dann bedarf es nur