noch die Menschheit sind ihrer selbst wegen da, sondernin ihren Spitzen, in den grossen „Einzelnen“, den Heiligenund den Künstlern, liegt das Ziel, also weder vor nochhinter uns, sondern ausserhalb der Zeit. Dieses Ziel aberweist durchaus über die Menschheit hinaus. Nicht umeine allgemeine Bildung oder eine asketische Selbstver-nichtung oder gar um einen Universalstaat vorzubereiten,erheben wider alles Vermuthen hier und da die grossenGenien ihre Häupter. Wohin aber die Existenz desGenius deutet, auf welches erhabenste Daseinsziel, wirdhier nur mit Schauer nachgefühlt werden können. Wermöchte sich erkühnen dürfen, vom Heiligen in derWüste zu sagen, dass er die höchste Absicht des Welt-willens verfehlt habe? Glaubt wirklich jemand, dasseine Statue des Phidias wahrhaft vernichtet werdenkönne, wenn nicht einmal die Idee des Steins, aus dersie gefertigt war, zu G-runde geht? Und wer möchtebezweifeln, dass die griechische Heroenwelt nur deseinen Homer wegen dagewesen ist? Und um mit einertiefsinnigen Frage Friedrich Hebbel’s zu schliessen:
„Machte der Künstler ein Bild und wüsste, es dauere
ewig,
„Aber ein einziger Zug, tief wie kein anderer, ver-steckt,
„Werde von keinem erkannt der jetz’gen und künf-tigen Menschen,
„Bis an’s Ende der Zeit, glaubt ihr, er liesse ihn weg?
Aus alledem wird klar, dass der Genius nicht der Mensch-heit wegen da ist: während er allerdings derselben
Spitze und letztes Ziel ist. Es giebt keine höhere Cultur-tendenz als die Vorbereitung und Erzeugung des Genius.Auch der Staat ist trotz seines barbarischen Ursprungs