i. Ausführlichere Fassung' des „Vorworts anRichard Wagner“.
(Februar 1871.)
Von Ihnen weiss ich es, mein verehrter Freund, vonIhnen allein, dass Sie mit mir einen wahren und einenfalschen Begriff der „griechischen Heiterkeit“ unter-scheiden und den letzteren, den falschen, im Zustandeungefährdeten Behagens auf allen Wegen und Stegenantreffen; von Ihnen weiss ich gleichfalls, dass Sie es fürunmöglich halten, von jenem falschen Heiterkeitsbegriffeaus zur Einsicht in das Wesen der Tragödie zu kommen.Deshalb gebührt Ihnen die nachfolgende Erörterung überUrsprung und Ziel des tragischen Kunstwerks, in derder schwierige Versuch gemacht worden ist, unsere indiesem ernsten Probleme so wunderbar consonirendeEmpfindung in Begriffe zu übertragen. Dass wir abermit einem ernsthaften Problem zu thun haben, muss demwohl- oder übelgesinnten Leser zu seinem Erstaunendeutlich werden, wenn er sieht, wie Himmel und Höllezu seiner Erklärung in Bewegung gesetzt werden müssen,und wie wir zum Schlüsse genöthigt sind, jenes Problemrecht eigentlich in die Mitte der Welt als einen „Wirbeldes Seins“ hinzustellen. Ein ästhetisches Problem so ernstzu nehmen ist freilich nach allen Seiten hin anstössig,