scheidend ein zu greifen: unter allen Umständen eine ge-fährliche Sache bei einem so subjectiven Autor. DerHerausgeber muss hier, vielleicht unbescheiden, das Ver-trauen fordern, dass er genug Feingefühl für Nietzsche’sWesen und Vertrautheit mit seinen Ideen und Schrifteneinerseits, anderseits kritische Kühle und überschauenden,ordnenden Sinn genug besitze, um bei diesem Abwägenund Abwerthen mit nietzschischen Maassen messen unddas Chaos von Entwürfen zu einem übersichtlichenGanzen ordnen zu können.
Die Anordnung dieser Ausgabe ist, mit zweiunten anzugebenden Ausnahmen, streng - chronologisch.Nietzsche selber versieht seine Entwürfe nur selten mitDaten; werthvolle Hülfen für die Datirung giebt seinBriefwechsel. Wo äussere Stützen nicht gegeben sind,lassen sich aus den Problemen und Stoffen Schlüsseziehn. Ein nie versagender Wegweiser ist endlichNietzsche’s Handschrift, die mit merkwürdiger Gleich-mässigkeit und Gesetzmässigkeit sich sein ganzes Lebenhindurch und zwar so schnell umwandelt, dass es mög-lich ist, undatirte Niederschriften, allein nach den Schrift-zügen, auf ein Jahr genau zu bestimmen; höchst be-merkenswerth für den Denker, der von sich sagt: „nurwer sich wandelt, bleibt mit mir verwandt.“ Aberdie Schrift bleibt in ihren Verwandlungen einheitlichund sich selbst im Grunde merkwürdig treu. Es ver-schlägt so gut wie nichts, dass Nietzsche zu verschie-denen Zeiten verschiedene Entwürfe untereinander indieselben Hefte schreibt: mit Hülfe der Handschrift lässtsich das Nichtzusammengehörige leicht von einandersondern, sogar wenn es sich um Niederschriften einesWerks handelt, die nur einige Monate auseinander liegen.