Einleitung
zur
zweiten Abtheilung der Gesammtausgabe.
l.
Als am Neujahrstage 1872 die ersten Drucke seinesErstlingswerks, der „Geburt der Tragödie“, FriedrichNietzsche zu Händen kamen, lagen ihm unaufhörlich dieWorte auf den Lippen:
„Schaff, das Tagwerk meiner Hände,
Grosser Geist, dass ich’s vollende!“
Dieser Wunsch hat sich nicht erfüllt: sein Werk istein Torso geblieben; die erste Abtheilung dieser Ge-sammtausgabe musste mit dem ersten Buche seines un-vollendeten Hauptwerks abbrechen. Auch in einem an-dern Sinne enthalten diese acht Bände nur einen Bruchtheilseiner Werke: sein Leben und sein Denken lief so schnell,dass die Feder und der Druck nicht Schritt halten konnten.In ganzen Perioden seiner Schaffenszeit hat er nur einenTheil dessen gedruckt, was er ausgeführt hatte, und nureinen kleinen Theil dessen ausgeführt, was geplant war.Es ist hier gegangen, wie es allzureich geschwellten Früh-lings-Hoffnungen stets ergeht: nur einige der in tropischer