Druckschrift 
Zweyte Abtheilung, Sechster Band (1794)
Entstehung
Seite
154
Einzelbild herunterladen
 

Folgende Nachricht, die ich durch einen Chrch-ritter erhielt, scheint besser durch Umstande unterstützt,und eher Aufmerksamkeit zu verdienen. In einer derStraßen von la Fleche, die Vierwindstraße genannt,nahe bey dem Gasthofe gleiches Namens hielt sich seiteinigen Monaten ein gewisser Medor, von Avranchesgebürtig/ bey einer Wittwe, Johanne Huberson, auf,welche an Schüler von gutem Haus, deren Hofmei-ster dieser Medor war, Zimmer vermicthete. EineNichte von dieser Wittwe, ungefehr sechs und zwan-zig Jahr alt, Namens Rahel Rcnaud, die bey ihrerMuhme wohnte, nebst einem Vetter, der ebenfallsHuberson hieß, kam einst in das Studierzimmer Me-dors, und fand ein Euch, das ihre Neugier erregte.Es war durchaus vergoldet, prächtig gebunden, mitblau und rochen Bändern, einen Fuß groß. Nach-dem sie es ausgemacht hatte, sah sie, daß dieß Buch,das nur bis zur Halste volkgeschricbcn war, und zwarhalb mit Tinte, halb mit Blut, eine Menge Signa-turen, meistens mit Blut geschrieben, enthielt, unterdenen sie, ihrer Bestürzung unerachtet, die NamenMedor, einen andern, Noyer, aus einem Dorf inder Gegend von Paris bey Villeroy, und einen duEros aus der Gegend von Billon in Auvergne, wel-cher chmals im Dienst des Herzogs von Mcrcoeurgewesen war, deutlich unterschied und erkannte. Siekannte diese zwccn Menschen, weil sie oft zu ihremMiechsmann kamen.

Beym Hcrausgehn aus diesem Cabinet, als siedieses Buch ihrer Muhme bringen wollte, begegneteihr Medor, der cs ihr aus den Händen riß, und siezornig fragte, was sie damit machen wolle? woraufsie unbefangen antwortete: sie habe es so artig gefun-den, daß sie es ihrer Tante habe zeigen wollen. Sie