Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
Seite
558
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wo die Stimmen des Quartetts so erschreckt, so ausser Fassung undHaltung zu einander kommen, wlie oaich ihnen Leonore. Noch spre-chender ist die Einleitung zum Chor der Gefangnen im Fidelio *),die das Quartett so

Allegro con moto.

bildet; auf dem letzten f treten Hörner ein und beginnen denUebergang zum Chor. Wie auf der Scene die Gefangnen aus derKerkerthür vereinzelt, schwach, eingeschüchtert hervorschleichenund kaum vermögen, die ungewohnte frische Luft in kräftigen Zügenzu trinken, bis allmähligLust in freier Luft die gedrückte Brusthebt: das hat gar nicht treuer und wahrer und ergreifender darge-stellt werden können, als durch diesen leisen Zug der Streichin-strumente, durch diese Hocherhebung ohne innre Kraft, dünn undauseinandergehend, wie die Athemlosigkeit langen Verzagens undlangerBeklemmung in Kerkerluft. Es ist wohl einer der schönstenZüge in dem schönen Werke.

Das letzte Beispiel entlehnen wir dem Altvater Bach mit derbesondern Freude und Genugtuung, mit der man beobachtet, wiedas Wahre vom wahren Künstler zu jeder Zeit erkannt und erfasstworden ist. ln der matthäischen Passion wird die Rede Jesu inden Rezitativen stets vom Quartett leise begleitet, das bisweilenenger Zusammentritt, bisweilen gleichsam allegorisch in besondernFiguren den Inhalt der Worte versinnlicht**), bisweilen aber auchseine Stimmen weit auseinander sendet. Eine solche Stellung desQuartetts zeigt gleich das erste Rezitativ, das hier

'*) S. 24-5 der Partitur.

**) z. B. in dem Rezitativ:Von nun au wirds geschehen, dass ihr sehenwerdet des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen in denWolken des Himmels/ 4