Druckschrift 
4 (1851)
Entstehung
Seite
513
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Im Verlaufe der Zeit entdeckle man die sogenannten Stopftöne,begnügte sich jedoch anfänglich nur damit, jeden Naturton, durchdas Eindrängen der Hand in den Schallbecher, einen halben Tontiefer zu machen; später erweiterten die Virtuosen dieses Feld nochmehr und stopften die Hand so tief in das Schallstück, dass die,einen ganzen Ton tiefer, als die Nalurlönc liegenden Töne einesehr gedämpfte, sordinenartige Tonfarbe erhielten. Wem sind dieschönen Klangeffekte der stark angeblasenen Stopf-töne des Waldhorns in den Glucksehen Opern nichtbekannt? — Wir sind der Meinung , dass das einfache Wald-horn, so behandelt , in technischer Beziehung ein unverbesserli-ches Instrument ist. Dieselben Bemerkungen gelten auch, bei-läufig gesagt, für die uralten Zugposaunen. Beide Instru-mente leiden durch die Ventile. Das Waldhorn kann derVentile entbehren, weil es schon an sich durch sein langes Rohr inder vierten Oktave diatonische, und in der fünften sogar chroma-tische Nalurtöne besitzt; ja es leidet durch die Ventile anKraft und Ton, weil durch seinen engen Röhrenbaudie Luft sich mehr durch die uni uf tdi c h t en *) Ventiledrängt, als bei den Trompeten, Kornetten und Tenor-hörnern, deren Röhrenbau noch einmal so kurz und viel weiterist. Bei der Posaune sind die Ventile noch schädlicher, weil derhelle schmetternde Klang durch Veränderung der Posaunenform ver-loren geht und das Piangendo nur durch einen beweglichen Zug aus-führbar ist. Es ist vielfach versucht worden, und ich habe durchdie Erfindung meines Piangendo’s (eines spielbaren Zuges mit einerDruckmaschine versehen) mich bemüht, bei den Blechinstrumentendie Nachtheile der Ventile mit ihren grossen Vorlheilen auszuglei-chen; ich glaube aber, dass dies eine Unmöglichkeit ist und bindurch Hrn. Vivier’s vollendetes Spiel zu der Ueberzeugung gelangt,dass, wie ich vorhin schon aussprach, dies bei dem Waldhorn oben-drein überflüssig ist, weil es in seinem Naturzustände bei solcherkunstvollen Behandlung ein durchaus vollkommenes Instrument ist.Wenn an demselben noch Verbesserungen möglich wären , so wärees in akustischer Hinsicht, obwohl Hrn. Vivier’s Waldhorn in sei-nem Schallbecher richtiger konstruirt ist, als die jetzt gebräuchlichenchromatischen; denn um die Töne leichter stopfen zu können, istman nach und nach von der ursprünglichen Konstruktion des Schall-stücks abgewichen, indem man es immer mehr verengte. Wieaber der Ton durch dies Verfahren an Kraft und Fülleverloren hat, hören wir, wenn wir die Töne des chro-

*) Luftdicht kann ein spielbar bewegliches Ventil niemals sein.Marx, Komp. L. IV. 2. Auf!. 33