lässt, unbekümmert um die dadurch entstehenden Oktaven. Aufdiese Art können sich gewissermaassen zwei Oberstimmen geltendmachen: die Diskantstimme des Chors, unterstützt von einer derViolinen, Oboe, Klarinette und Flöte (diese im Einklang oder inhöherer Oktave) und die Tenor- oder Altstimme, hervorgehobendurch die andre Violine in höherer Oktave.
Bei dieser Verwendung des Orchesters zur Verstärkung oderUnterstützung der Singstimmen gelten die uns schon geläufigenGrundsätze: den einzelnen Instrumenten muss die einem jeden ge-bührende Behandlung werden und das ganze Orchester muss zu dervollen Wirkung kommen, die der Inhalt des Salzes in jedem Mo-ment ihm zuweiset und gestattet. Die Streichinstrumente werdenalso aushaltende Töne oder einfachere Tonfolgeu öfters figurirenmüssen und sich gegen die Singstimmen in einem ähnlichen Ver-hältnisse befinden, wie gegen die Bläser. Diese werden umgekehrtmanchen in den Singslimmen vielleicht blos des Textes wegenzergliederten Ton zusammenziehen und damit ihr vornehmlichesVermögen des Aushallens geltend machen. Das Orchester imGanzen und besonders das Streichquartett wird gern Zusammen-halten , um die ihm vor allen Organen eigne und wichtige Mas-senwirkung so viel, wie der jedesmalige Inhalt des Satzes gestattet,zu behaupten. Zu diesem Zwecke wird es oft nöthig, Stimmendes Orchesters weiter zu führen, wenn die Singstimmen, denensie zunächst blos beitreteu sollten, pausiren.
Alle diese Wendungen und Betätigungen des Orchesters wer-den nach den vorausgeschickten Lehren mit Sicherheit getroffen,wenn der Komponist
den Inhalt der Gesangpartie als Aufgabe, gleichsam alsGrundgedanken erfasst;und sich nun fragt:
wie dieser Inhalt vom Orchester nach dessen eigenthüm-licher Weise darzuslellen sei? —natürlich stets im Sinne der Komposition und jedes Moments.
Der Schlusschor der Schöpfung von Haydn soll uns hier fürdiese allgemeiner gehaltnen Andeutungen die nächslnöthige An-schauung geben. Wir greifen zu ihm, nicht weil sie nur hier oderam vollkommensten hier zu finden wären, sondern weil für Gestaltun-gen, in denen die verschiednen Komponisten wenigstens im Wesent-lichen Zusammentreffen müssen, jedes Beispiel befriedigt und daspopulärste und durchsichtigste den Vorzug verdient.
Haydn inlonirt seinen Schlusschor*) homophon, —
*) S. 283 der Breitkopf-Härtelschen Partilur.