Einleitun g,
Der Name, den dieses letzte Buch der Kompositionslehre führt,ist, wie schon S. 3 angedeutet worden, eine nur ungenaue Bezeich-nung des Inhalts. Unter Ensemble-Satz*) wird zunächst derSatz für mehrere Gesang-Solostimmen verstanden, die nicht bloseine Ilauptstimme begleitend, sondern bald wechselsweis Hauptslimme,bald Nebenslimme werdend, bald polyphon zusammenwirkend eingrösseres Ganze bilden. Ferner bezeichnet man mit demselben Na-men auch den Verein mehrerer Instrumente (und zwar in der He-gel nur den die Zahl von vier oder fünf übersteigenden) zu glei-chem Werke.
Wir werden nicht blos diese Kompositionsformen, sondern auchdie Komposition für zwei bis vier, fünf und mehr Soloinslrumenteund Solo - Singstimmen, ferner die Lehre von der Arienkompositiouund von dem Verein von Solospiel und von Gesang mit Orchesterin diesem Buch abzuhandeln haben , müssen aber sogleich anerken-nen, dass ein Theil dieses Inhalts nicht unter dem Titel Eusern-blegesang inbegriffen ist.
Allein man wird uns hierin wohl nachsehen müssen, da es kei-nen Namen giebt, der diesen Inhalt wirklich bezeichnend zusam-menzufassen vermöchte und wir daher genöthigt waren, den Namennach der vorwiegenden Masse des Gesammtinhalts zu bestimmen.
Dass aber so mancherlei und so wesentlich verschiedne Gegen-stände in einem einzigen Buche vereinigt werden, musste geschehn,weil sie in den vorangehenden Lehrtheilen keine Stelle finden konn-ten und nach allem bisher Erörterten keiue umfangreiche Behand-lung erfodcrn. Immer mehr tritt die formale Lehre zurück undüberlässt den Jünger seinem eiguen Forschen und Arbeiten und demRath einer höheru Lehre.
*) Dass man mit dem Ausdruck Ensemble das Zusammeuspiet und Zu-sainmensingen , die mehr oder weniger gelungne Weise Ensemblesätze auszu-führen versteht, ist hier nur beiläufig zu bemerken.