334
werden kann (höchstens Sechszehntelbewegung im Allegro mode-rato) so kann der Ton stark gegeben werden; ist die Bewegungzu schnell, so dass nur kurze Striche möglich sind, so ist auchkein erheblicher Stärkegrad erreichbar. Dies gilt namentlich vondem bereits S. 259 erwähnten Tremolo, selbst wenn es vom gan-zen Streicherchor ausgeführt wird. Es kann das Erbeben so vielerStimmen schauerlich und leidenschaftlich erregend uns ergreifen,nicht aber eine grosse Schallkraft ausüben, gleich der eines kraft-vollen von derselben Masse ausgeführten Strichs. In hoher Ton-lage kann ein solches Tremolo z. B. der Geigen ein unheimlichesGeflüster oder Gezischei geben*), oder die Tonwiederholung inmancherlei Formen, z. B.
*» • . n
—CtsW-tef-ff-Cn
* >- |
der Melodie innerliche Bewegung, Erregtheit, Nuancirnng mannig-fachen Ausdrucks verleihen; stets aber wird der Stärkegrad vonder Zeit abhängig bleiben, die zum Bogenstrich gelassen ist.
Zweiter Abschnitt.
Aufgaben für den Streicherchor.
Wir haben nicht umhin gekonnt, die Streichinstrumente mitbesondrer Genauigkeit (wie ihre Vielseitigkeit und ihre Bedeutungim Orchester foderte) zu betrachten und zahlreiche Anwendungenderselben zu untersuchen. Um so kürzer dürfen wir uns jelzt beieinigen Uebungen fassen, die dazu dienen können, den Jünger imSatze für Streichinstrumente einheimisch zu machen, ehe er zurKomposition für das volle Orchester vorschreitet. Es wird hier fastnur darauf ankommen, solche Aufgaben zu finden, die sich vorzugs-weise für den Slreicherchor eignen und zu deren Ausführung keinevon der Beachtung des eigentlich zu Uebenden — von der karak-teristischen Behandlung der Instrumente abzieheude Schwierigkeitbietet.
Wir stellen zu diesem Zwecke folgende Formen als Aufgaben.
*) Daher ist diese Form bei den Opernkomponisten der neuen französisch-italienischen Schule der stereotipe Ausdruck für Geisternähe, Geistererscheinung,Ahnung u. s. w. — das heisst zu einer Phrase geworden.