216
hätten, statt diese mit ihr zu kreuzen; es schien aber vortheilhaft,das Blech in einfachster Form zu dem ungebrochensten Zusammen-wirken hei einander zu lassen.
Die Führung einer Bassmelodie bedarf keiner neuen Aufwei-sung ; es genügt das bei No. 197 Gezeigte, wenn man sich die Bass-melodie gleichmässig mit der entgegenstehenden Masse der Ober-stimmen verstärkt denkt. Diese Aufgabe lässt eine einfachere undin so fern für Harmoniemusik günstigere Lösung zu, als die vorige,in welcher die Hauptstimme Begleitung oder gar Gegensätze obenund unten, also wenigstens drei gegen einander tretende Partienfoderte.
Treten wir nun an die mehr polyphonen Bildungen heran, sowächst hier die Schwierigkeit. Es ist unmöglich, polyphone Sätzefür grosse Massen von Stimmen so einfach darzustellen, als derGrundkarakter der Harmoniemusik wünschenswerth macht; nichtblos sollen die drei oder vier Stimmen, die den wesentlichen Inhaltdes Satzes vortragen, gleichzeitig geführt und vom Hörer gefasstwerden; sondern die Masse der Instrumente lodert für die ver-schiednen Lagen ihres Tonsystems und für die verschiednen Fähig-keiten und Karaktere Verdopplungen in Terzen, Oktaven u. s. w.,füllende Stimmen, neue Motive — und so geräth man unvermerktvon der einfachen Grundlage in immer zusammengesetztere Gestal-tungen und Schritt für Schritt immer mehr in die (vielleicht nieganz zu vermeidende) Gefahr, überladene und verworrne Sätze zubilden. Veranschaulichen wir uns dies an einem Beispiel.
Der hier
gebildete Satz, den man als Bruchstück eines grossem Ganzen an-zuseheu hat, würde von zwei oder drei (oder vier) Instrumentenklar vorgestellt werden können. Allein eine so stimmarme und da-bei mit den Stimmen so weit auseinander bleibende Behandlungwürde dem Karakter der Blasinstrumente, ihrem Hang nach Voll-