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Erstere oder das Letztere dem Sinn der Komposition entspräche;im erstem Falle, besonders bei wilden, starken Tultisätzen, wäredie Anwendung der Klarinette wohl zu rechtfertigen; in den meistenFällen würde sie zu grell hervortreten, die andern hohen Instru-mente (Flöten, Oboen) von der ihnen vorzugsweise eignen Stelleverdrängen oder überschreien. — Was in Konzertsätzen statthaftsein kann, ermisst sich nach der vorzüglichen Geschicklichkeit derVirtuosen, die nicht blos über höhere Tonlagen sichrer gebieten,sondern auch (wie wir von Hermstädt, ßärmann, J. Müllerund so manchem jungern Meister gehört) die höchsten Töne zu sänf-ligen und zart zu verschmelzen wissen.
Uebrigens ist die Klarinette bis zu den höhern Regionen einerMässigung bis zum leisesten Hauche fähig, wie ausser ihr von allenBlasinstrumenten nur noch das Horn, und auch dies nur in seinengünstigsten Tonlagen.
Auch der Klang der Klarinette ist nicht durchweg ein ganzgleicher. Die tiefsten Töne (besonders die oben als stark bezeichne-ten) treten im forte leicht mit einer gewissen Ueberfüllung — manmöchte fast sagen : blökend — hervor. Damit soll aber keineswegsetwas durchaus Hässliches oder gar Unverbrauchbares bezeichnetsein. In der ohnehin durchaus phantastischen Instrumenlenwelt brauchtman allerlei Farben und Klänge, und oft die wunderlichsten; undso hat namentlich und zuerst K. M. v. Weber die tiefsten Klari-nelt-Töne zu unheimlichen, koboldhaften Effekten benutzt. Gemil-dert haben dieselben Töne etwas gläsern oder wasserhaft Durchschim-merndes, eine gewisse Hohlheit des Klanges, die eben sowenig, wieder Forteklang von irgend einem andern Instrumente wiedergegebenwerden kann. Die eingestrichne Oktave (besonders von d oder f an)hat bedecktem, etwas dumpfen, aber sehr sanften Klang; in derzweigestrichnen Oktave gewinnt das Instrument immer mehr Hellig-keit und Glätte und wird dem luftartigem Flötenklang ähnlicher, je-doch mit grosser Ueberlegenheit an immer gedrungner Füllkraft*).Legt man nun mit diesen Rücksichten eine Klarinettstimme so an,dass sie sich vorzugsweise in der klangvollem Region hält, aus derstillern Tiefe sich wieder in jene erhebt, auch wohl vermöge ihresgrossen Tonumfangs in die höchsten Tonlagen aufschwingt und dieKraft der tiefsten Töne gelegentlich mit benutzt: so nimmt das In-
’) Niemand kann mehr, als der Verf. selber, das Uneigentliche, Unzuläng-liche, Uosichre aller hier und anderwärts gebrauchten Bezeichnungen und Gleich-nisse empfinden. Allein er muss wiederholen, was schon S. 4 vorausgesagt worden:die Sprache hat keine genügenden Ausdrücke, es können nur Audeutungen ge-geben werden, zu deren Verständniss eine vielfältige und genaue Wahrnehmungoder Beobachtung unerlässliche Vorbedingung ist. Mehr in der Mas ik Wis-senschaft.