Sodann verlieren die Naturinstrumente, also namentlich Trom-pete, Horn und Posaune, durch die Vorrichtung der Ventile jene Fri-sche und Gefülltheit, man möchte sagen Gesundheit des Klanges, dieihnen ursprünglich eigen ist. Das Horn büssl an Vollklang und Run-dung ein und neigt sich der etwas beklemmtem Weise der Slopf-tone zu; die Trompete besonders verliert die metallische Klarheitund siegreich durchdringende Macht ihres Klangs und wird unedel ge-presst, auch sogar unkräftiger und dünner, und dies alles besondersin den hohem Lagen, etwa von d an; auch die Posaune büsst ihreMacht ein, sie wird mehr dem natürlichen Hornklang nahe gebracht,obwohl sie stärker und heller bleibt.
Und alle diese Nachtheile sollen wir auf uns nehmen, um Ton-reihen zu gewinnen, die dem — zwar abzuschwächenden und zu ver-unreinigenden, niemals aber ganz auszutilgenden und durchaus nicht zuentbehrenden Grund-Karakter der genannten Instrumente unnöthig,fremd—ja widersprechend sind! Die Trompete (S. 48) ist dasIieldeninsirument uud ist einfach, wie der Heldenkarakter; dem ent-sprechen alle ihre Mittel, die das Gerade, Starke, Hellleuchtende,Kühne — und nichts weiter aussprechen. Das Horn (S. 89) bedarfeben so wenig für seine Naturlaute, für den reinen, einfachen Ge-müthsausdruck, in dem es seine Welt findet, der Vielgewandtheiteines sich in alle Tonarten und Harmonien einschmiegenden und ein-schleichenden Tonsystems; so weit es ohne sich untreu zu werden,über seine eigentlichen Gränzen hinausschwärmt oder hinauswildert,dienen ihm die gestopften Töne und haben sich allen unsern Meisterngenügend erwiesen. Die Posaune endlich (S. 67) bringt in ihrerdröhnenden, scharf und gewaltig eindringenden Sprache die letzte,feierlichste und unwidersprechliche Entscheidung und darf darin durchkeine Künstelei und Abschwächung gestört und gehemmt werden;nicht ihr Tonreichthum uud ihre etwas mehr oder weniger raffinirleGewandtheit, sondern ihre Kraft, der Grundkarakter spröder underschütterungsvoll entscheidender Stärke ist das ihr Wesentliche unddem Komponisten Unentbehrliche, weil er es in solcher Weise nurbei ihr findet.
Es ist also für alle Komponisten, denen an treffender und mannig-facher Karakterislik in ihren Werken liegt, und für alle geistig theil-nehmenden Direktoren und Kunstfreunde vom höchsten Gewicht, dieNaturinstrumente nicht durch Ventilinstrumente verdrängen zu las-
Geigern nacbzuahmen, hat der besonders für diese Instrumentldasse unermüdlichthätige, verdiente Kammermusikus Herr Wieprecht, Musikdirektor der preussi-schen Gardemusik, noch eine Vorrichtung, einen spielbaren Zug erfunden , den erpiangendo nennt und dessen Gebrauch jeden Ton allmählig um eine halbe Stufehinabschleift. Allein auch das kann nicht immer willkommen sein j auch scheint dieErfindung nicht weiter verbreitet.