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Entscheidende Bedingung dazu ist ihre Unerschöpflich-keit. Ihr Schall strömt hernieder, so lange der Dienst es fodert;jeder Ton steht fest, so lange er stehen soll; er steht alleinda, oder im Gegensatz gegen andre auf ihn eindringende oder vonihm zurückweichende Stimmen. Hiermit ist auch die vorzüglicheFähigkeit zur Mehrstimmigkeit, zur eigentlichen Polyphonie gegeben,ohne die eine reiche oder nur genügende Entfaltung des Orgelspielskaum denkbar ist, die einen Theil ihrer Gestaltungen und Regelnentweder von der Orgel entlehnt oder doch an ihr zur ausgepräg-testen Form gebracht hat. Als Beispiel nennen wir den 0 rgelpunk t,der nirgend so häufig, so ausgedehnt und so klar hervortritt, alsim Orgelsatze. So fängt (um nur zwei Fälle zu nennen) die mäch-tige Tokkate in Fdar von Seb. Bach
mit einem Orgelpunkt von 54 Takten an und wiederholt denselben(auf der Dominante) nach einem Zwischensatz von 28 Takten voll-ständig. So steht ein kleineres Tonstück, die Pastorella *) von Seb.Bach (37 Takte V- vom Anfang bis zum Ende, mit Ausnahme vondrei Achteln, auf Orgelpunkttönen. Auch die Vorhalte und nament-lich die — wenn auch in ihrem allgemeinen Ausdruck übereilte ältereRegel, dass Vorhalttöne gebunden werden sollen , finden nirgend sohäufige Anwendung, als im Orgelspiel.
Der letzte entscheidende Karakterzug ist, dass die Orgel keinebefriedigend ausgesprochne Accentuation haben kann (weil siedie Töne innerhalb derselben Registratur nicht stärker oder schwächerzu nehmen vermag) folglich der lebendigen Bezeichnung des Rhyth-mus und Taktes entbehrt**). Hiermit ist ihr die feinere und bestimm-tere Zeichnung der Tongedanken, die Unterordnung der Nebenzüge
*) Bei Schlesinger in Berlin.
”') Die Mittel des Zusammenschleifens und Absetzens, wenn sie auch mit sobewundernswürdiger Feinheit und Genauigkeit angeweudet werden, wie von einemA. Hesse, können doch die eigentliche Betonung nicht ersetzen.