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Zweiter Abschnitt.
Karakter der Orgel.
Die Orgel enthält, wie wir bereits aus dein \ origen Abschnittewissen, eine grosse Masse von Stimmen. Einige derselben, z. ß.die Gedakte, Rohrflöten, Flöten u. s. w. sind sehr zart, ja dum-pfen Schalles, andere, z. ß. die Prinzipale, die Trompeten, Posau-nen u. s. w. sind von vollerer, schärferer, zum Theil hart eingrei-fender Schallkraft, das volle Werk (natürlich immer eine wohlge-baute und reich ausgestattete Orgel vorausgesetzt) braust wie einOrkan und scheint die breiten Kirchengewölbe erschüttern und spren-gen zu wollen; das grösste Orchester kann sich mit solcher Ueber-gewalt nicht messen. Von der zartesten , nur eben hinhauehendenStimme bis zum Donnersturm des vollen Werks bietet sich durch dieWahl und Häufung der Register eine grosse Reihe von Abstufungender Scballkrafl dar. So wissen wir auch, dass die einzelnen Registereine grosse Abwechslung im Klang gestatten, die durch Kombinationverschiedner Register noch vermehrt werden kann.
Mancherlei Umstände und Eigenheiten der Orgel vermindern jedochdie Anwendbarkeit dieses anscheinend unerschöpflichen Reichthums anSchall- und Klangmitleln. Der weite Raum der Kirchen und die indenselben so wie nach der Natur des Instruments zur Sprache kom-menden Empfindungen und Vorstellungen fodern in der Regel vol-lem Schall und beschränken den Gebrauch der zartem und dumpfenStimmen in der Vereinzelung auf wenige nicht weitreichendeAusnahmfälle; nur selten (im Vergleich zu der häufigen und aus-gedehnten Anwendung des Orgelspiels) wird man Grund haben, einGedaktregister (etwa Bordun oder Flöte oder auch die hellere Rohr-flöte) allein zu ausgebreiteter Wirksamkeit zu bringen. Sobald manaber über die einzelnen Register hinausgehl und einige oder mehrerezu verbinden anfängt, schwindet immer mehr die Eigenthümlichkeitder einzelnen Stimmen (deren Verschiedenheit ohnehin nicht so durch-greifend ist als die der Orchesterstimmen) und es tritt der allge-meine Orgelklang an ihre Stelle. Dieser Orgelklang ist aber inder That dem Karakter des Orts und des Instruments am meistenangemessen. Daher fühlt sich der Spieler gedrungen, ihn immer ent-schiedner und würdiger darzustellen, sich dem vollen Werk immernäher zu bringen oder dasselbe anzuwenden, wo nur irgend der Sinnder Komposition und die Rücksicht auf äussere Verhältnisse (z. B.auf eine minder zahlreiche Gemeine, auf den stillern Sinn einer beson-dern gottesdienstlichen Feier) es gestattet. In Allem kann auch dieOrgel überlroffen werden, nur nicht in der Gewalt ihres Tonsturms;
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