Heinrichs schlechter Wandel und Grausamkeit. 13
sie die Tochter eines Kaisers, daß sie des Königs einzige rechteSchwester von beiden Eltern war, daß sie durch den heiligenSchleier Christus zu ihrem Bräutigam erwählt hattet
10. Weil aber schändlicher Ehebruch noch schändlichere Mord-thaten zu veranlassen Pflegt, so hat auch Jener, so wie er mehrals eine Bathseba seiner Lust opferte, gleichfalls mehr als einenUrias grausam ums Leben gebracht. Denn so viel unmenschlicheMordthaten hat er vollbracht, daß es zweifelhaft bleibt, ob ermehr wegen seiner schandbaren Wollust oder wegen seiner uner-hörten Grausamkeit verrufen sei. Gegen alle war er entsetzlichgrausam, aber gegen niemanden so sehr wie gegen seine vertrau-teste Umgebung. Wer an allen seinen Heimlichkeiten Theil hatte,und um seine Frevel und Unthaten wußte oder ihm dabei half,der mußte, während er unbesorgt an dem Rathschlage über denMord Anderer Theil nahm, selber den Tod erleide», welchen erfür sich nicht befürchtet hatte. Und für welches Vergehen? Weiler ein Wort gegen seinen Willen gesprochen, oder auch schweigendnur durch eine Miene verrathen hatte, daß ihm ein Anschlag desKönigs mißfalle. Denn er hatte viele Rathgeber, aber niemandwagte ihm einen Rath zu geben, der nicht nach seinem Willengewesen wäre. Wenn jemand auch unbewußt ihm zu etwas rieth,welches gegen seine Meinung war, so büßte er diesen unbewußtbegangenen Fehl mit seinem Blute. Und niemanden ließ er seinenZorn merken, bis er ihn der nichts Böses ahnte, ums Lebenbrachte.
11. Einer von seinen Vertrauten Namens Kvnrad, ein Jüng-ling von gutem Adel und Lebenswandel, wenn ihm nur das Einevon Gott verliehen wäre, daß er nie am Rathe des Königs Theilgenommen hätte, dieser Konrad war eines Tages in Goslar, über-zeugt daß ihm die Gunst des Königes so sicher sei wie er sie nurjemals besessen habe. Der König aber war auf der Veste Harz-
1) Hiermit ist Adelheid, Aebtissin von Quedlinburg gemeint. Außer ihr waren aberauch die schon 1060 verstorbene Mathilde, Gemahlin des Herzogs Rudolf von Schwaben,und Jutta, die unten Kap. 83 erwähnte Königin von Ungern. Heinrichs IV rechte Schwestern.