Heinrichs unzüchtiges Leben und die Königin Bertha. 11
gefeiert hatte. Er trachtete daher auf vielerlei Weise danach sichvon ihr zu scheiden, damit er dann mit einem Scheine des Rechtsseinen unerlaubten Begierden folgen könnte, wenn die erlaubteeheliche Verbindung ihm versagt wäre.
7. Zuletzt gebot er einem seiner Gesellen, sich um die Gunstder Königin zu bewerben, und versprach ihm eine große Beloh-nung, wenn er sie bewegen könnte ihm zu Willen zu sein. Under hoffte daß sie ihm nichts abschlagen werde, weil sie, obschonneu vermählt, doch schon wieder wie eine verlassene lebte. Aberdie Königin hatte in Weibesleib ein Mannesherz, und erkanntesogleich aus welcher Quelle dieser Anschlag entsprungen sei. Des-halb wies sie ihn zuerst mit Unwillen von sich; dann aber, alsjener wie ihm geboten war, hartnäckig sie bedrängte, versprach sieihm, jedoch nur zum Schein, seine Bitte zu gewähren. Jenermeldete freudig die Sache dem Könige, und sagte ihm die Stundewelche zur Ausführung bestimmt war. Der König aber ging hoch-erfreut zugleich mit dem Ehebrecher zum Schlafgemach der Köni-gin, damit er, wenn er Zeuge des Ehebruchs wäre, sie in gesetz-licher Form von sich verstoßen, oder auch, was ihm das liebstegewesen wäre, ums Leben bringen könnte. Allein da der Ehe-brecher an die Thüre des Gemaches klopfte, und jene rasch diePforte öffnete, fürchtete der König, wenn jener zuerst eingelassenwäre, ausgeschlossen zu werden, und drängte sich eilfertig durchdie Thüre. Die Königin erkannte ihn sogleich, und schloß sohastig die Thüre zu daß der andere draußen blieb; dann rief sieihre Frauen, und mit den Waffen die sie vorher bereitet hatte,mit Schemeln und Stöcken, zerschlugen sie ihn dermaßen, daß erhalb todt liegen blieb. „Du Hurenkind, rief sie, woher kam dirsolche Frechheit, daß du dir auf die Umarmung der KöniginHoffnung machtest, welche den stärksten Mann zum Gatten hat!"Jener rief er sei Heinrich, er sei ihr Mann, er habe nur in allenEhren sie besuchen wollen. Sie entgegnete aber, der sei ihr Mannnicht, welcher verstohlner Weise nach ehebrecherischem Umgang ge-trachtet habe; wäre er wirklich ihr Gemahl, warum sei er dann