Heinrichs IV Kindheit. Anno und Adalbert. 7
Tugendpfade, und beschloß fortan ganz und gar seinen Begierdennachzugehen. Damit er aber dieses um so freier thun könne —denn unter jenem Meister stand ihm nicht alles frei was ihm be-liebte — machte er sich vorher völlig los von der Vormundschaftdieses Meisters, und verschmähte es ferner die Obhut irgend einesMenschen zu ertragen, da er selber zum Hüter des Reiches erwähltsei. Der König also wurde vom Bischof entlassen, und da er nunangefangen hatte sein eigener Herr zu sein, machte er es Allenoffenbar daß er nicht beschlossen habe dem Wege des Lebens zufolgen. Denn wenn das Dornengestrüpp der Lüste in diesem Le-bensalter auch denen gefährlich wird, welche es in ihrem Innerndurch häufige Fasten ausdörren und durch anhaltendes Gebet mitder Wurzel ausrottcn, so wucherte es in ihm um so üppiger, daweder er selbst, der von dem ersten jugendlichen Feuer glühte undin den Genüssen königlichen Ueberflusses schwelgte, dasselbe aus demAcker seines Herzens ausjätete, noch auch ein anderer wagte es inihm, dem Könige, der keine Ermahnung duldete, mit dem Eisender Züchtigung zu vertilgen.
2. Zu dieser Zeit lebte der Erzbischof von Bremen, Adalbert,welcher so sehr von Stolz und Hochmuth ausgeblasen war, daßer niemanden für seines Gleichen achtete, weder an Adel vor derWelt noch an Heiligkeit des Wandels. Einmal als er an einemhohen Feste die Messe vor dem Könige feierte, und der Sitte ge-mäß die Kanzel bestieg um dem Volke Gottes Wort zu verkünden,sagte er unter anderem, als ob er wehklage daß die Guten undAdelichen auf dieser Erde ausgegangen seien, nur er allein undder König (sich nämlich nannte er vor dem Könige) seien von demalten Adel übrig, während doch seine zwei Brüder, derselben El-tern Söhne, anwesend waren; und, sagte er ferner, obschon ernicht den Namen seines Bruders, des Apostelfürsten Petrus trage,so habe er doch dieselbe Gewalt wie Petrus, oder auch eine nochgrößere, weil er niemals wie Petrus den Herrn verleugnet habe.
3. Derselbe befahl einmal in seinem Bisthum einer Aebtissin,welche, ich weiß nicht wodurch, gegen ihn sich vergangen hatte,