XIV
für den Gesang gedichtet und in älteren Sammlungen, oder anderweitig zerstreut und einzelnvorhanden ist: mit Ausschlüsse der eigentlich erzählenden Gedichte, welche auch großentheils (diekürzeren Erzählungen alle) in nicht strophischen Reimpaaren verfaßt sind. Ausgeschlossen bleibenalso auch die kürzeren strophischen Heldenlieder: obwohl dergleichen später noch zusammenge-drängt und über den Leisten des Meistergesanges geschlagen wurden. Die neue Sammlungbeschränkt sich aber in Ansehung der Zeit auf alles, was in der angegebenen Art Deutsch ge-dichtet und gesungen ist, von den ältesten Anfängen im zwölften Jahrhundert, durch die höchsteund reichste Entfaltung des edlen ritterlichen Minnegesanges mit dem Ritterthume selbst um1200, bis zum Ausgange dieser ganzen herrlichen Erscheinung im 14ten Jahrhundert; womit der überwiegenden Entwickelung des städtischen Bürgerthums (ja des Bauernstandes, inder Schweiz) der eigentliche, zünftige Meistergesang sich vorbereitete. Dies geschah natürlich aufdem guten Grunde der meisterlich und vollkommen ausgebildeten Kunst der alten Edlen undMeister, welche man als Ahnherren sich zueignete und als Borbild ansah, obschon aus dieserUeberlieferung etwas sehr Verschiedenartiges hervorging, gemäß der ganzen veränderten Gestaltder Dinge, indem nicht nur die Formen vielfach von den vermeintlichen alten Formen abwichen,sondern auch eben die Hauptsache wurden, so daß der Geist entwich. Wegen dieses Zusam-menhanges aber zwischen dem Minne- und Meistergesänge und wegen der deutlichen Fort-wirkung des ersten im letzten, durste dieser Meistergesang hier nicht unberücksichtigt bleiben, undes sind deshalb aus dem zum Theil mit echten Liedern der älteren Dichter vermischten Samm-lungen mancherlei ihnen zunächst stehende Nachdichter ausgenommen, die namenlos, oder auchwohl unter jenen älteren Namen versteckt, sich ihnen anschließen. Die Lieder der spätereneigentlichen Meistersänger dagegen, welche noch in den älteren Tönen gedichtet sind, und andenen sich Strophenbau und Sangweise derselben zum Theil erhalten haben kann, sind nurin der Geschichte der einzelen betrefflichen Dichter und ihrer Werke beigebracht.
Demgemäß gebe ich hier eine Uebersicht der zu vorliegender Sammlung der Minne-singer dienenden Urkunden, und habe ich dabei Rechenschaft abzulegen Iber das Verhältnisdieser Ausgabe zu ihren Quellen und zu deren früheren Benutzungen.
I. Duellen und Hnlfsmittel.
Schon neben den Arbeiten zu meinen Ausgaben der Nibelungen (1810), des Tristanund der übrigen Werke Gottfrieds (1823), begannen die Vorbereitungen zu einer neuen mög-lichst vollständigen Sammlung und verglichenen Ausgabe der Minnesinger, denen ja Gottfriedauch so bedeutend angehörte. Professor G. W. Raßmann, gegenwärtig in Gent, hatte beiseinem Aufenthalt in Paris auf meine Bitte sich der Vergleichung der dort verwahrten Hand-, schrift der Manessischen S ammlung niit Bodmers Abdrucke derselben unterzogen, und