Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
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Zur ersten Abtheilung des dritten Buches.

Nach Seite 68.

Die fortwährende Uebung in allen Arten liedformiger Sätzekann dem Kompositionsschüler nicht genug empfohlen werden. DasLied ist die zusammengehaltenste Form eines musikalischen Gedan-kens und nölhigt uns von allem, dem Anfänger (und überhauptdem Musiker vor andern Künstlern) so nahe liegenden, so verfüh-rerischen und verderblichen Umherschweifen und von allem in dasWeite, Unbestimmte Sich-Ergehen zurück in eine feste, ja engeAbgränzung, damit aber in eine bestimmte und treffende Ausspra-che dessen, was wir eigentlich gewollt. Es macht dem Schwa-chem die Vollendung künstlerischer Werke nahe erreichbar und ge-wöhnt den lebhafter, unruhig Erweckten, jeden Keim zu zeitigen,jede Vorstellung zu einem Kunstwerk auszuprägen. Und diese letz-tere Neigung ist es, die das künstlerische Wesen vollendet. Na-turell und Bildung sind im Künstler geschäftig, die Welt undsein eignes Leben in die Atmosphäre der Kunst zu erheben; seinPulsschlag und sein Athem ist erfüllt von den unsichtbaren Strö-mungen jenes geheimen Lebens. Aber dies macht ihn nur zum Ge-niessenden, kann ihm nur die Seeligkeit eines entzündeten Herzensverleihen. Noch muss die Thatkraft ihm eingeboren, erweckt,erzogen, gesteigert sein, jede Empfängniss auszugebähren als einbestimmtes Gebilde, und so der Welt wiederzugeben, was er vonihr und aus ihr empfangen zu seiner und ihrer Besceligung. Diesist die schöne Liebespflicht, in der der Berufene und Ausgerüstetesein Recht und die Rechtfertigung seines Lebenswerkes der Weltdarlegt, und sieh liebend und dienend zu ihr hinneigt, währendsein inneres Schaffen und Wirken durchaus von jedem äussern Ein-fluss und Gesetze frei bleiben soll.

Neben dem aber, dass die Liedformen die günstigste Atmo-sphäre für die ersten freien Athemzüge des Kunstjüngers bieten,gewähren sie ihm auch den glücklichsten Stoff, an dem er denrhythmischen Sinn und die Konstruktionskunst übenkann; was er hier im Kleinen und Feinsten sich aneignet, kommtihm in allen spätem und zusammengesetzten Formen zu Gute. Nicht