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Gedanken, die zusammengehören, bald gleichzeitig, bald nach ein-ander eine Stimme nach der andern ergreifen und der wesentlicheInhalt der ganzen Stimmunterredung sind. Zum Schlüsse können•wir uns noch einmal an den Gesangfugen überzeugen, dass dieForm der Doppelfuge eine ganz sinngemässe, ja oft die einzigrechte ist.
Wenn Mozart in seinem Requiem den ersten Abschnitt miteinem vollen feurig und feierlich bewegten Satze schliessen undkrönen will: so steht ihm dazu der TextKyrie eleison,
Christe eleison ,
zu Gebote. Beide Texttheile haben im Wesentlichen einen Inhalt,die Bitte um .Erbarmen; sie unterscheiden sich aber darin, dassder erstere mehr an Gott Vater, Gott den Herrn, der andre mehran Christus, den Gottessohn, gewendet ist. Jeder dieser Theilekann daher für sich behandelt werden, und so hat Bach in sei-ner hohen Messe, in seiner jungfräulich süssen ^dur-Messe undviele Andre gethan. Mozart aber durfte es nicht, sonst hätteseinem ersten Abschnitte der vollbefriedigende Schluss gefehlt, erhätte statt dessen zwei einzelne Sätze gehabt. Eben so wenigkonnte er die Verschiedenheit der beiden Texttheile aus der Achtlassen und sie in ein Fugenlhema zusammenwerfen. Er musstealso beide zusammengehörende und doch verschiedne Texttheile inzwei züsammengehörenden und doch verschiednen Subjekten aus-sprechen, — das heisst: er musste eine Doppelfuge schreiben.
Noch einleuchtender tritt die Nothwendigkeit der Doppelfugebei dem Schlüsse des ersten Theils von Graun’s Tod Jesu hervor.Hier ist der Text —
Christus hat uns ein Vorbild gelassen,
Auf dass wir sollen nachfolgen, —ebenfalls ein einziger Gedanke, aber aus zwei Sätzen bestehend,deren erster ohne den zweiten bestehen kann, aber von diesemnäher bestimmt, erläutert wird; der zweite kann ohne den erstengar nicht bestehen. Zu einem einfachen Thema ist nun der Textvor Allem zu lang, würde auch, wollte man ihn in einen Satz zu-sammendrücken, seine nothwendige Eintheilung verlieren. Es bleibtalso nichts übrig, als, ihn zu einem Doppelthema und zur Doppel-fuge zu verwenden.
Soviel, um auch von dieser Seite her die Doppelfuge einleuch-tend zu machen. Das Nähere gehört in die Lehre der Vokalkom-position im dritten Theile des Werks.