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Neue Durchführungen in andern Tönen beginnen, mit anderer An-ordnung, anderm Gegensätze. Vielleicht nehmen nicht alle StimmenTheil; wenigstens werden ihrer zwei die Erörterung fortzu-führen haben, und nur in sehr vorübergehenden Momenten eineeinzige allein bleiben. Zwischen den Durchführungen erscheinenneue Zwischensätze, oder Umwandlungen des erstem; und so eifertdie Unterredung, der Wettkampf der Stimmen fort, bis manauf den ersten Standpunkt, in den Hauptton zurückgekehrt ist, hiernochmals, in höherer Weise, den Hauptgedanken durchgeht undmit ihm oder einem Nachsatze das Ganze schliesst.
So erkennen wir schon im oberflächlichen Bild in der Fugediejenige Form, welche die Stimmführung, die Ausbildung jederStimme, den musikalischen Dialog zur höchsten, zugleicheinheitsvollsten und freiesten Entfaltung bringt. Sie ist in dieserHinsicht die rechte Schule für jeden, der in irgend einer Sphäreder Komposition, sei es für Kirche, Oper oder Orchester, etwasGediegenes leisten will. Zugleich erhebt sie unser Dichten undDenken über den Kreis unsers engen Ich. In der Fugespreche nicht Ich; nicht meine Besonderheiten, mein persönlichesEmpfinden und Vorstellen kommen dahinein. Für dergleichen istdas Lied und die Arie und dergleichen mehr. In der Fuge treteIch zurück; andre, mehrere und verscbiedne Personen nehmen dasWort, die nicht Ich sind, sondern die jede für sich und in ihrerWeise reden wollen. Und da dies der Fall sein soll, so kann das,was Mehrere beschäftigen wird, auch nichts Beschränktes und Un-wichtiges sein; es muss die Theilnahme Mehrerer verdienen. —So hebt uns schon der Grundgedanke der Fuge in eine höhereSphäre, und regt in uns Kräfte an, die andre Formen im Schlum-mer gelassen hätten.
Es muss ausgesprochen werden, dass selbst das reichste Ta-lent schwerlich irgendwo Ersatz für die etwa versäumte Ausbildungin der Fuge finden, dass die Versäumniss dieser Ausbildung sichgewiss irgendwo empfindlich strafen wird. Und schon hier kannerkannt werden, dass nicht hlos für die Schule, auch für die Aus-übung der Kunst die Fuge eine so wesentliche Form ist, dass sieneu erfunden werden müsste, wenn sie nicht schon vorhanden, —wenn unsre heutige Kunstentwickelung ohne sie möglich gewesenwäre.
Soviel, um uns wenigstens eine allgemeine Vorstellung vonder Wichtigkeit und dem Reichthum der bevorstehenden Arbeit zugeben. Jetzt gehen wir zur formellen Betrachtung über.
Die Fuge wird sich von den bisherigen Arbeiten, namentlichdem Fugato, darin unterscheiden, dass sie nicht aus einer, sondern