Di eser Choral soll Strophe für Strophe durchfugirt werden.Zuvörderst verwandelt Bach jede Zeile durch mächtige Figurirungin ein starkes und dabei doch unverkennbar auf den Choral zurück-weisendes Thema. Dies ist z. B. sein erstes Thema; die darübergesetzten Buchstaben bezeichnen den Cantus firmus.
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Zu diesem Thema, das von den vier Singstimmen, Geigen undBratschen durchgeführt wird, tritt das Violoncell als freie Gegen-stimme , bisweilen auch den Tenor blos begleitend. Zu obigen er-sten Takten ist dies :
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Haben nun alle vier Stimmen: Tenor, Alt, Diskant und Bassdie Durchführung in zehn Takten vollendet und den Zwischensatzangefangen : so intoniren oben Oboen und unten, in engster Nach-ahmung, Kontrabässe das Thema getreu dem Choral, —
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während zwischen beiden der gewaltige Strom der Stimmen fort-brauset. — Es ist dies für das unerfahrne Auge eine wahrhaftsinnverwirrende Kombination, während der Kundige darin eine ste-tige Folgerung aus unsern bisher entwickelten Grundsätzen undFormen erkennt, — freilich mit der Meisterschaft und Macht einesBach verwirklicht.
Ueberhaupt ist hier schon immer deutlicher zu gewahren, wieunermesslich mit jedem neuen Schritte das Reich neuer Kunstfor-men und Kunstgebilde sich vor uns ausdehnt, und wie wir mit Ei-nem Erlernten sogleich Hundertfaches erkaufen können. Die Stimm-führung, die wir an der einfachsten Aufgabe, dem Choral, lernten,hat uns das weite Gebiet der Figuration erschlossen, in dem wir,von wenigen Anweisungen geleitet, den Choral von der Zweistim-migkeit bis zum doppelchörigen Satz auf das Mannigfaltigste undReichste mit selbständigen Melodien begleiten, Cantus firmus undFiguration in höherer Einheit vergesellschaften, zur Arie, zumChor, — nach allen Richtungen hin verwandeln konnten.
Wir warfen dann den Choral weg, und bewegten uns in selb-ständiger Figuration wiederum nach schon erkannten und geübtenGrundsätzen.