Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
345
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Di eser Choral soll Strophe für Strophe durchfugirt werden.Zuvörderst verwandelt Bach jede Zeile durch mächtige Figurirungin ein starkes und dabei doch unverkennbar auf den Choral zurück-weisendes Thema. Dies ist z. B. sein erstes Thema; die darübergesetzten Buchstaben bezeichnen den Cantus firmus.

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Zu diesem Thema, das von den vier Singstimmen, Geigen undBratschen durchgeführt wird, tritt das Violoncell als freie Gegen-stimme , bisweilen auch den Tenor blos begleitend. Zu obigen er-sten Takten ist dies :

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Haben nun alle vier Stimmen: Tenor, Alt, Diskant und Bassdie Durchführung in zehn Takten vollendet und den Zwischensatzangefangen : so intoniren oben Oboen und unten, in engster Nach-ahmung, Kontrabässe das Thema getreu dem Choral,

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während zwischen beiden der gewaltige Strom der Stimmen fort-brauset. Es ist dies für das unerfahrne Auge eine wahrhaftsinnverwirrende Kombination, während der Kundige darin eine ste-tige Folgerung aus unsern bisher entwickelten Grundsätzen undFormen erkennt, freilich mit der Meisterschaft und Macht einesBach verwirklicht.

Ueberhaupt ist hier schon immer deutlicher zu gewahren, wieunermesslich mit jedem neuen Schritte das Reich neuer Kunstfor-men und Kunstgebilde sich vor uns ausdehnt, und wie wir mit Ei-nem Erlernten sogleich Hundertfaches erkaufen können. Die Stimm-führung, die wir an der einfachsten Aufgabe, dem Choral, lernten,hat uns das weite Gebiet der Figuration erschlossen, in dem wir,von wenigen Anweisungen geleitet, den Choral von der Zweistim-migkeit bis zum doppelchörigen Satz auf das Mannigfaltigste undReichste mit selbständigen Melodien begleiten, Cantus firmus undFiguration in höherer Einheit vergesellschaften, zur Arie, zumChor, nach allen Richtungen hin verwandeln konnten.

Wir warfen dann den Choral weg, und bewegten uns in selb-ständiger Figuration wiederum nach schon erkannten und geübtenGrundsätzen.