Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
193
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Erste Abtheilung.

Die selbständige Figuration .

Wir haben in den letzten Abteilungen des vorigen BuchesCantus firmus und Figuralarbeit zu einer Kunslform vereint. Jetztverzichten wir auf den Cantus firmus; die Figuration soll selbstän-dig werden und uns für sich allein Stoff zu Kunstwerken geben.Wir müssen also vor Allem untersuchen, welcher Stoff uns in derFiguration geboten ist.

Thun wir dies vorerst in der oberflächlichsten Weise, so er-scheint die Figuralmasse als ein Verein von zwei oder mehr Stim-men, die sich beweglicher als je zuvor ausgebildet haben.

Sodann sehen wir, dass wenigstens bei vielen der bishe-rigen Formen eine Stimme das Motiv der andern aufnimmt,dass die zweite, dritte Stimme der vorangegangenen in der Auffas-sung des Motivs folgt, sie darin nachahmt.

Endlich haben wir bereits S. 99 erkannt, dass dieses von einerStimme nach der andern aufgenommene Motiv der Keim oder we-nigstens der Anknüpfungspunkt für den Inhalt jeder Stimme, dasfür jede gewissermaassen Bestimmte oder Gesetzte, das Themaeiner jeden ist, wenn wir auch noch kein vornehmliches Gewichtauf dieses Thema gesetzt haben.

Diese drei Betrachtungen weisen uns in eben soviel Richtun-gen unsrer nächsten Thätigkeit ein.

Erster Abschnitt.

Die Figuration zur Homophonie zurückgewendet.

A. Einstimmige Sätze.

Halten wir blos das Aeusserlichste der Figuralslimmen festdass sie bewegliche, tonreiche Kantilenen sind uud neben den me-lodischen auch harmonische Elemente, also alle Grundbestandteileeines Satzes in melodischer Form enthalten: so tritt uns der Ge-danke nahe, mit einer einzigen Figuraistimme nicht blosvielerlei Gänge, sondern ganze Sätze darzustellen. Hierüber be-darf es nach dem Th. I, S. 25 u. f., ferner S. 281 und S. 400 u. f.

Marx, Komp. L. II. 3. Aull. 13