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dem einmal gewählten Motiv ziemlich getreu. Dies macht sie be-sonders geeignet, sLufe'nweise nach einander vom Anfänger in diesenDingen sicher und ohne eigentliche Schwierigkeit gefasst zu werden.Von hier gehen wir nun in freiere Anwendungen der Figurationüber, die der persönlichen Weise und Neigung des Jüngers grossemEinfluss und Spielraum gestatten. Auch sie werden sich ihm nichtspröde erweisen, wenn er hinlänglich vorbereitet und gekräftigt zuihnen tritt. Diese Ausrüstung besteht aber in der eifrigsten Durch-arbeitung der bisherigen Formen.
Gefasst hat der Jünger ihren Sinn, wenn sie anfangen, leb-haftem künstlerischen Antheil in ihm zu erwecken, wenn es ihninteressirt, eine Stimme gegen die andre zu führen, sie einanderfolgen, unterstützen, widersprechen zu lassen, wenn er sich leben-dig in jede versetzt, jede an ihrem Ort, in ihrer Weise geltendzu machen sich freut, wenn er endlich dieses Spiel verschiednerStimmen liebgewinnt. So lange er noch nicht mit Lust undSeele dabei ist, hat er nicht das Wesen der Sache, sondernhöchstens ihre todle unfruchtbare Form ergriffen, so lange ist ernoch unzugänglich dem Zauber und der eigentlichen Lust der Po-lyphonie, lebendige Wesen aus sich hervorgerufeu- zu haben undum sich verkehren, gleichsam als andre blut- und geistverwandtePersonen mit sich verhandeln, mit sich fühlen, freuen, trotzen undklagen zu hören; seine Stimmen sind ihm hölzerne Marionetten,die er verdriesslich an Drähten und Fäden herumzieht, — unge-wiss, ob dieses Spiel Kunst, ob es Musik sei.
Gleichwohl ist jenes Spiel polyphoner Kräfte der Gipfel, odervielmehr erst das eigentliche Leben unsrer Kunst. Schon auf vielniedrigerer Stufe haben wir das anerkennen müssen; schon im zwei-ten Buche gingen w'ir darauf aus, jeder begleitenden Stimme sovielwie möglich eignen Gesang zu geben. Hier können wir klarer dieNothwendigkeit und Kraft dieses Satzes erkennen, und es musshier ausgesprochen werden:
dass es ohne lebendige Polyphonie kein Meisterwerk von
grösserm Umfange giebt noch geben kann,dass also ohne diese Lebenskraft kein Künstler Vollendung zu er-ringen vermag.
Der Weg dahin ist vorgezeichnet. Unablässiges Arbeiten biszu vollkommner Leichtigkeit und Sicherheit ist die erste, — unab-lässiges Hineiuspielen, Hineinsingen, Hineinfühlen in jede einzelneStimme ist die zweite Bedingung. Besonders empfehlen wir dasSingen der Stimmen, denn der Gesang kommt aus unsrer Brust,erregt unsern ganzen körperlichen und geistigen Organismus undgeht am tiefsten in unser Herz. Mit Antheil und Kraft der Seele
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