Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
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Zweiter Abschnitt.

Der Walzer.

Wenn wir uns hier auf die Betrachtung eines Tanzes und derihm eignen Musik einlassen, so nehmen wir dabei natürlich aufseine gegenwärtige Geltung im Kreis unsrer geselligen Vergnügenund auf Alles, was die Mode dazu oder daran gethan, keine Rück-sicht. Uns gilt der Tanz blos, soweit er dem Komponisten einekarakteristische und seine Bildung in irgend einer bestimmten Rich-tung fördernde Aufgabe bieten. Wer diese benutzt hat, wird sich,wofern er Anlass nehmen will, leicht in allen möglichen Arten undBedingungen des Tanzes zurecht finden.

ln jedem Tanze kann man zweierlei Hauptmomente unterschei-den: Bewegung vom Orte hinweg, und Verweilen an einemOrte; letzteres ist aber ebenfalls nicht absolute Ruhe, sondern Be-wegung (z. B. Drehung) an dem Orte selbst. Bewegung und Ver-weilen können in mannigfacher Weise ausgeführt und gemischt wer-den. Der Walzer nun, den wir hier allein betrachten, undzwar in seiner ursprünglichen Gestalt, der sogenannte langsameWalzer (von neuern Abarten und Umgestaltungen soll hier nichtdie Rede sein) bat zweierlei Bewegungen: erstens dreht sich jedesPaar der Tanzenden im Kreise um seinen eignen Mittelpunkt; zwei-tens bewegt es sich mit solchen fortgesetzten Wendungen in einergrossem Kreislinie fort, bis es wieder an seinen Ort gelangt undder Kreis geschlossen ist. Jene kleinere Kreiswendung wird inzweimal drei Schritten ausgeführt und ist. gleichsam das Motiv desTanzes. Ihr entspricht nun in der Walzerkomposition der Takt,lir muss den drei Schritten gemäss, also dreitheilig, Dreiviertel-oder Dreiachtel-Takt sein. Dann aber gehören zwei solcher Taktezusammen, innerhalb derer das dreilheilige Tanzmotiv zweimal aus-geführt und so die kleinere Kreiswendung vollendet wird. Dagegenhat die zweite, grössere Bewegung gar kein bestimmtes Maass;man tanzt im kleinern oder grossem Raum, einmal oder mehrmalsherum.

Das Geringste, was der Walzer zu leisten hat, ist die Her-vorhebung dieses Grundmotivs der Bewegung. Jedes Glied vonzwei Takten muss also dem Tanzmotiv entsprechen, den Antrittfest bezeichnen und die schwingende Wendung des Tanzes- wonicht andeuten, doch begünstigen durch eine vom ersten Ton sichschwungvoll abwendende Kantilene. Dies führt zunächst auf Mo-tive dieser Form