Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
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Arbeit vorschreiben lassen: so wird dieses höchste Gelingen nicht,oder nicht immer, zu erwarten sein. Aber kann es der Jün-ger sich überhaupt versprechen? will er, um unzeitig die Vollendungeines einzelnen Werkes zu erzwingen, seine Bildungs- und Vor-bereitungszeit in das Unbestimmte verlängern, oder vielmehr ver-passen? Man sieht leicht ein, dass dies mit einem geordneten undwirksamen Lehrgang unvereinbar ist. Der Jünger soll nicht schlaffoder leichtfertig den ersten besten Einfall zum Stoff nehmen; seinSelbstgefühl soll das schlechthin Flache oder Gemeine von sich wei-sen. Aber was ihm der Aufgabe des Studiums und seinem Selbst-bewusstsein nicht unpassend und unangemessen erscheint, was ge-eignet ist, seinen Eifer für die Arbeit wenigstens zu erhalten, wennauch nicht zu erhöhen: das soll er frisch ergreifen und Besseres fürkünftige Arbeiten hoffen. Ist dies auch nicht ein hohes Beginnenzu nennen, so widerspricht es doch keineswegs der künstlerischenNatur. Von allen uusern Meistern, ohne Ausnahme, besitzen wirWerke, die unverkennbar« einen nicht hohem Anfang genommenund erst im Werden sich mit edlerer Glut, mit tieferm Inhalt er-füllt haben. Viel wahrhafte Kunstwerke wären ungeschrieben ge-blieben und schwerlich Ein Künstler hätte die Meisterschaft er-langt, wenn man in einer Art von geistiger Prüderie die Federnicht ergreifen wollte, als auf den höchsten Ruf. Der Eifer desArbeitens steigert unsre Kraft bei jedem redlichen und beharrlichenStreben, und die bestimmte Form selbst zieht den ihr eignen nichtunwürdigen Stoff aus dem Chaos unbestimmter Vorstellungen her-aus, das in jedem strebenden Geiste gährt.

So, und nicht anders darf auch nur von den im Werke gegeb-nen Beispielen geurtheilt werden. Nicht eine künstlerische Erregung,der Lehrzweck hat sie diktirt, und es wäre ganz unnütz gewesen,in ihnen nach künstlerischer Wichtigkeit zu trachten, es wäre daherauch widersinnig, sie als Kunstwerke aufnehmen und beurtheilenzu wollen. Absichtlich ist sogar meistens der geringere Stoff dembedeutendem vorgezogen worden, aus Gründen, die sich aus demGang der Lehre ergeben.