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3. Geschäft des Schülers.
Von Seiten des Schülers wird, wie schon ira ersten Theil derLehre, unablässiges Bilden neben getreuer Befolgung des Lehrgan-ges gefodert. Es muss jede Form, und zwar jede so lange geübtwerden, bis sie vollkommen sein eigen geworden ist, bis er siemit vollkommner Sicherheit und Leichtigkeit darstellen kann. DieseFormbildung kann aber keineswegs blos durch technische Uebungerlangt werden. Denn die Kunstformen sind, wie wir schon ge-sehen haben, nicht todte Leisten, über die die Musik zurechtgelegtund zugeschnitlen wird; sie sind Ausdrücke, Ausprägungen derkünstlerischen Vernunft, und können nur durch Ueberzeugung undAntbeil der Vernunft erworben werden.
Das Zeichen aber, dass man eine Kunslform in rechter Art er-worben, ist: dass man sich in ihr mit Freiheit und An-theil der Seele bewege, in ihr mit künstlerischem In-teresse und Behagen schaffe. Wem die Form Last oderFessel ist, der besitzt sie noch nicht.
6. Nächster Vortheil des ' Schülers.
Sobald man den Begriff der Formbildung richtig fasst und sichihm treu widmet, äussert sie einen mächtigen Einfluss auf den Geistdes Schülers, indem sie seine Erfindungskraft zu verhundertfälligenund zugleich zu sichern, ihm jene wohllhuende Festigkeit und Sicher-heit des Gemüths zu ertheilen vermag, ohne die ein beglückendesund erfolgreiches künstlerisches Schaffen undenkbar ist.
Denn jedem nur einigermaassen Begabten und Angeregten schwe-ben eine Menge unbestimmterer Auklänge und Vorstellungen vor,die zum Theil aus tiefem Gemüth entsprossen sein können, in demunausgebiideten, unaufgeklärten Geist aber vergebens nach bestimm-ter, sichrer Gestalt ringen. Hier ist der Ursprung jenes namen-losen Drangs und Verlangens ohne Erfolg, jenes hastigen Ergrei-fens, Umbildens, Aufgebens einer Form ohne Vollendung, jenerAufregung und Anstrengung edler Geisteskräfte ohne Gelingen, oftim Grund ohne bestimmtes Ziel, also von Haus aus ohne Hoffnung.Die Verständniss der Form bewirkt schon auf der Stufe des Schü-lers , dass aus diesem durcheinander flirrenden Chaos von Keimenund Halbgestallen in jedem Augenblick des Schaffens, für jede Un-ternehmung nur das für diesen einen bestimmten Zweck Geeignetehervorgezogen und mit Beseitigung alles Fremden oder Unbestimm-ten vollendet werde. Jeder weitere Schritt zieht mehr des Einzel-nen aus der wirren Masse hervor zu bestimmtem Dasein, und er-