Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
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Einleitung

I. Aufgabe des zweiten Theils.

Das zweite Buch des ersten Theils hat die unterste Reihe ton-künstlerischer Aufgaben erschlossen: die Begleitung gegebner Melo-dien. Das Hauptsächlichste war gegeben, nämlich die zu begleitendeMelodie; und wir hatten ihr nur in der einfachsten ihrem Sinn ent-sprechenden Weise eine Unterlage, eine Begleitung unterstützenderStimmen, zu verschaffen. Unsrer Arbeit war also nicht das Ganze,sondern nur ein Theil, und zwar die Nebensache, über-lassen; in so fern waren wir bei unserm Geschäfte nicht frei,fes war dieses Geschäft ein künstlerisches, aber untergeordnetes.

Von jetzt an wird die Aufgabe sein, ein Ganzes zu schaf-fen. Oder,wenn ja etwas gegeben wird, sei es nun ein Motiv,oder Thema, oder eine ganze Melodie: so wird nicht diesesGegebne, sondern das, was wir daraus oder damit her-vorbringen, oder was wir dazu thun, die Hauptsache sein.

Alle hierher gehörigen Aufgaben fassen wir unter dem Namen:die freie Komposition

zusammen; erst bei ihnen belhäligen wir uns durchaus in der Weisefreier Kunst, die nämlich ihr Werk ganz aus sich selbernach ihrem Gesetz allein hervorbringt, nicht blos zu einemschon Gegebnen herantritt, um es zu schmücken, zu unterstützen,oder sonst zu mehren und zu ändern.

Allerdings müssen wir aber auch hier wieder anerkennen, dassdiese Scheidung sich nicht scharf durch alle Gestaltungen durchfüh-ren lässt. Eine blosse Begleitung (z. B. die Begleitung eines Cho-rals, wie sie im vorigen Buche gelehrt worden) kann einen Kunst-zweck vollkommen erfüllen, also ein vollkommnes Kunstwerk sein.Und wiederum mehrere von den bevorstehenden Kunstformen sindan äusserliche Rücksichten, oder an eine gegebne Hauptmelodie ge-bunden, so dass sie in dieser Hinsicht nicht schlechthin frei genannt

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