Laster verlohren gehabt hätte, wäre diese Frau durchden Charakter ihres Herzens und ihres Geistes die Zier-de ihres Geschlechts gewesen. Sie besaß eine so na-türliche und so wahre Redlichkeit, daß man gleich sah,sie habe gar nicht einmal eine Idee von dem Bösen, we-der um es zu befolgen, noch andern anzurathcn, unddamit vereinigte sie eine solche Sans muth, daß sie ebenso wenig auch nur das kleinste Gefühl von Haß, Bos-heit, Neid, oder selbst nur von übler Laune kannte.Ich glaube nicht, daß je eine Frau im Umgänge mehrAnmulh besessen, oder mehr feinen und leimten Witzmit so viel angenehmer Naivetat und einem so einfachenWesen vereinigt hat. Ihre Antworten hatten eben soviel Salz als Ungezwungenheit. Man fand sie zugleicher Zeit sanft und lebhaft, ruhig und lustig: derKönig lernte sie bald ganz kennen und von dem Augen-blick an vergaß er nicht nur alle seine Empfindlichkeit,sondern er nahm auch in seinem Betragen ganz dieFreimüthigkeit und die Vertraulichkeit eines aufrichti-gen Freundes an. Er gestand den Herrn von la Ro-chette, Pericard und Bigok, welche der Herzog vonGruse schickte, um seine Vorschläge zu thun, die nöthi-gen PaßportS zu; und ernannte sogar, durch die Bit-ten dieser beiden Damen überwunden, von seiner Sei-te drey Agenten, um mit denen, die der Herzog ge-schickt hatte, zu unterhandeln, den Kanzler von Chi-verny, den Herzog von Retz, und den Scaatö Sekre-tair Beaulieu Ruft.
Diese Drey, welche sich als feine Staatsmännerzeigen wollten, fingen gleich an, alle die Umschweifeanzuwenden, welche die Politik der Gesandschafts-Angelegenheiten so sehr unpassend an die Stelle jenesofnen und fteimüthigen Betragens gesetzt hat, welches,ohne Jemanden zü betrügen, dieselbe Wirkung hervor-
brin-