Druckschrift 
Zweyte Abtheilung, Erster Band (1791)
Entstehung
Seite
90
Einzelbild herunterladen
 

„überzeugt, sie werden nicht so thöricht seyn, sich zu„dem König von Navarra zu begeben, und sich mit einer„Partey einzulassen, die unfehlbar zu Grunde gerichtet„werden, und sie um ihr schönes Gut Roßny bringen„wird." Der Herzog von Joyeuse hätte noch lange re-den können, ohne von mir unterbrochen zu werden. Zwarkannte ich genug den Hof, um mich über nichts, wasvon daher kam, mehr zu wundern ; aber ich bedachtemit Erstaunen, durch wie manche Widerwärtigkeit dochdas Schicksal erst noch den König von Navarra führenwollte, ehe er zu der Größe, welche es ihm bestimmte,gelangen würde. Daß er sie erreichen müsse, davon warich innerlich fest überzeugt, denn La BroßenS Weissa-gungen kamen mir nie aus dem Sinn. Auch warensie der Inhalt dessen, was ich dem Herzog von Foyeuseantwortete, und gleich nachher verließ ich ihn schnell.Dieser kurze Abschied mußte ihm etwas unhöflich Vor-kommen; auch weiß ich, daß er zu den Umstehenden ge-sagt hak; „Das ist ein Erznarr! aber sein Hexenmeister„möchte ihn dießmal wohl betrogen haben."

Ich gieng nach Hause zurück, reifete aber gleichauch von da wieder ab, so bald ich nur einige neueMaaßregeln wegen der so plötzlich erfolgten Verände-rung der Umstände genommen hatte, und begab michnach Guyenue zu dem König von Navarra. Währendder vier oder fünf Monathe, welche er anwendete, umsich gegen das Ungewikter, das über ihn losbrechen soll-te, zu rüsten, blieb ich bey ihm. Er führte mich nachMontauban, wo die Protestanten über die Mittel, welchemau in dieser Lage der Sachen ergreifen müßte, haussigeBerathschlagungen anstellten. Zum größten Unglücksahen sie bey einer Gelegenheit, die nichts weniger alsihre ganze Wohlfahrt betraf, ihren wahrenVortheil nochnicht genug ein, um wenigstens in vollkommner Einigkeit

zu