XVL
Universalhistorische Übersicht re.
auffallend, daß der Mensch noch Ueberfluß anKräften hatte, welche nur auf mildere Tage war-teten, um die Blüthen, die sie in einer erfreuli-chen Menge hervortrieben, in Früchte zu verwan-deln. In Italien erwachte wieder der Geistder alten Römer und wirkte gewaltig in denlombardischen Städten; durch das Beyspiel der-selben geweckt begann ein dritter Stand sich in denmeisten europäischen Ländern zu bilden; die schön-ste Erscheinung in dem ganzen Mittelalter! DasRitterwesen erhielt um diese Zeit den glücklichstenromantischen Schwung; durch dasselbe lebte einfrischer Dichtergeist in den Nationen auf, undselbst der Deutsche schien eine neue Seele bekom-men zu haben, seitdem die Lieder der Minnesingerdas Chaos seines Gefühls entwickelten. Diephantasiereiche Empfindung, welche die Herzen derMenschen befeuerte, trieb zugleich ihren Verstand,sich gegen das hierarchische System zu empören,und auf den meisten europäischen Thronen saßenMänner, welche durch ihren hohen Sinn daspäpstliche Ansehn zu zertrümmern drohten. DerBritte, Heinrich der Zweyte, der kühnerePhilipp August von Frankreich und die großenHohenstaufen waren Helden, welche es wagendurften, mit den Vorurtheilen ihrer Zeit zu rin-gen. Im Orient stand ein furchtbarer Riese, deredle Saladin auf, um durch sein Schwert dieabendländischen Kreuzritter zu überzeugen, daß sie
nicht