Die ganze Lombardcy war von solchen Städten ange-füllt, welche noch von den Römern herrührten; siegrenzten so Licht aneinander, daß der dazwischen liegen-de Landadel bald ins Gedränge kommen mußte. Baldblieb diesem keine andere Wahl, als gleichfalls in dieStädte zu ziehen und das Bürgerrecht darinn anzuneh-men. Weil eine jede Stadt dieses in ihrem Gebietebeobachtete, so war Oberitalien in kurzer Zeit von allenmächtigen Freiherren gesäubbrt, daß beym Regierungs-antritt Fridrichö des Ersten von dem hohen Adel nurnoch die einzige Familie der Markgrafen von Mont-ferrat der Botmäßigkeit der Städte entgangen war.Die meisten dieser Städte hakten sich den Kirchsprengelihres Bischofs unterworfen, den Bischoff selbst aber,dew sonst die Hoheitsrechte besessen, auf sein Hirtenamkwieder herabgesetzt, und in ihren vornehmsten Pfarrerverwandelt. In den Städten selbst blieb der Unter-schied der Stände; es gab darinn eine» hohen Adelunter dem Nahmen der Capitaneen, einen nieder»Adel, der Güter von jenem z» Lehen trug, unter demNahmen der Va lva so re n, und einen dritten freyenStand, die Bürger, welche mitAntheil an dem Stadt-regiment hakten, und Waffen führen durften. Die höch-ste Obrigkeit waren die Consules, eine Würde die den al-ten Römern abgeborgt war, und gleichfalls wie dortfnurauf ein Jahr lang bekleidet wurde; aber mit dem Unter-schied, daß aus jedem der Z Stände ein solcher Consul ge-nommen wurde, und also kein Stand den andern unterdrücken konnte.
Bald äußerten sich die wohlthätigen Folgen dieserfreien Regimentsverfassung. Der Ackerbau wurdehöher getrieben, Kunstfleiß und Handel wurden belebt,der Ueberfluß zeigte sich in den Städten, aber ohne seinegewöhnliche schlimme Begleitung die Schwelgerey unddas Sittenverderbniß, weil der noch frische Erwerbungs-lrieb alle Bürger besckäfftigte und nüchtern . erhielt.DaS nehmliche sah man viele Jahrhunderte nachher inHol-land, wo der Kaufmann zum Fürsten wurde, ohne vonder Simplizität seiner vorigen Dürftigkeit abzuweichen.Industrie aber mit Mäßigkeit und guter Wirtschaft ver-bunden, mußte den Reichthum herbeyführen, und derWohlstand der Bürger mußte »othwendig die Kräfte