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I)r. Max Runze,
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Mit ganz besonderem Glück hat Loewe die Legende kultivirt,diese „geistliche Schwester der Ballade". Einzelne von ihnen gehörengeradezu zu dem Bedeutendsten, das er gearbeitet hat; so „Desfremden Kindes heiliger Christ", wobei ein Kenner Loewe's zu derStelle „sie ist vor Frost erstarret" meinte, man sähe vermittelst derMusik das Kind erfrieren. Sodann „Der heilige Nepomuk", „St. Ma-riens Ritter", das äußerst stilvoll und tief gehaltene „Milchmädchen",„Der Riese Ofserus", „Scholastika" (mit Chor), „Das Paradies in derWüste" (mit Chor) und wieder die »Perle unter ihnen: „Gregor aufdem Stein". Bon den Legenden letzterer 'Gattung (mit Chor) biszum Loewe'schen Oratorium ist, wie Ambros richtig bemerkt, nurein Schritt. Und wie die Legende eine Nebenart der Ballade, soist auch in der That das eigentliche Loewe sche Oratorium auf dieBallade zurückzuführen und nur aus dieser heraus zu verstehen.Derselbe Ambros sagt in diesem Sinne mit Recht von den „Sieben-schläfern": „Loewe ist auch hier Balladenkomponist geblieben".
Es ist an der Tagesordnung, sich über Loewe's Oratoriumgeringschätzig zu äußern. Daß die Loewe'schen Oratorien ohne mu-sikalischen Werth seien, „darüber sind heute ja auch alle Fachleuteeinig'." hört man selbst für Loewe wohlgesinnte Beurtheiler sagen.Zunächst müssen wir nun (wie das von August Wellmer inbesonders treffender Weise ausgeführt ist, — auch einem „Fach-mann" fürs oratorische Gebiet) Unterscheidungen anstellen, was hierin folgender Weise geschehen möge: 1) Loewe's geistliches Ora-torium, hauptsächlich „Die Festzeiten", echte Kirchenmusik schönsterund edelster Art, — hinreichend, allein Loewe's Namen für alleZeiten zu verewigen. 2) Sein — wie Loewe es nannte —: „eigent-liches Oratorium", an die Legende oder christliche (kirchliche) Ge-schichte anknüpfend, dramatisirend; für welche Form Loewe histori-sches Recht beanspruchte und solches auch literarisch, wie sein Nach-laß ausweist, nachzuweisen suchte. „Mein Oratorium" -— Pflegte erwohl mit Bezug auf das historische Recht für die von ihm geschaf-fene Form zu sagen — „ist das richtige". Dahin gehören „Die Sie-benschläfer", „Palestrina", „Meister von Avis", „Gutenberg", „Huß".In ähnlichem Stil gehalten, doch im engeren Anschluß an die hei-lige Schrift sind zu nennen „Hiob", „Das Hohe Lied". Vorgezeichnetist diese Form in einem Werk, das allen, schon der Zeit nach, vor-angeht : „Die Zerstörung Jerusalems", in welchem Loewe'sche Urkraft