Carl Loewe.
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selbst: „Ich hielt es in der Kunst mit der Freiheit, die der Schöpferja jedem Vogel in den Zweigen gestattet; er singt eben so viel oderso wenig, als ihm gegeben ist." Es ist dieser künstlerische Zugin Loewe vielfach mißdeutet worden; es ist ihm viel nachgeredet,und Andere haben es aus Ignoranz nachgeschrieben, daß Loeweüberhaupt um die musikalische Literatur sich nicht recht gekümmerthabe. Was nun die klassische Literatur und seine früheren Zeit-genossen, wie Weber, Spohr, betrifft, so war theilweise schon obenberichtet, wie sehr er sich in dieselben vertieft hatte; Loewe war einüberaus fleißiger Mann und lebte ganz und gar, wie auch Bitterbemerkt, in den Werken der älteren Klassiker; die in seinem eigenenBesitz gewesenen Werke jener, die in Unzahl in seinem Nachlassesich vorfanden, lassen die Spuren seines Fleißes an ihnen, sogarin mitunter Randbemerkungen, überdies deutlich erkennen; noch mehraber zeigen solches seine zahlreichen hinterlassenen Manuskripte, diesich großentheils mit Musikgeschichte und namentlich mit Kirchen-musik befassen. Nein, er hat tiefgehende Studien an den Meisterngemacht. Ist er aber seine eigene Bahn gegangen, so kann dies dochnicht als Beweis dafür gelten, er habe Richtungen seiner Vorgängerund sie selbst nicht gekannt! Wie sehr er seine Zeitgenossen schätzteund daß er deren Werke genauer kannte, dafür legen u. A. seineBriefe klares Zeugnis ab, deren manche bisher noch unveröffentlichtsind. Ferner ist aus älteren Berichten musikalischer Zeitschriftenersichtlich, mit welcher edlen Bereitwilligkeit er seinerseits beizutragengewillt war, jüngeren bedeutenden musikalischen Talenten schnellereAnerkennung und Verbreitung zu verschaffen, wie er das z. B. anMendelssohn bewiesen hatte. Und ist nicht, bei aller Konservanz,die er für seine Schaffensart übt, seinen Werken nach und nach garsehr es anzumerken, wie ihr Schöpfer sich den echten, edlen Fort-schritt in der Musik für seine Werke zu Nutze machte? Sind dennseine spätesten Balladen, wie „Der seltene Beter", „Der Asra",„Odin's Meeresritt", „Archibald Douglas", „Der Teufel", so ganzaltfränkisch nach Form, nach Manier? Freilich, altfränkisches und„alamodisches" Gebaren hat er eigentlich nie gezeigt; er ist eben injenen Arbeiten derselbe Loewe wie früher; aber er ist auch modernund geht eben mit der Zeit mit, d. h. mit dem, was wahrhaft denHöhepunkt des jedesmaligen musikalischen Zeitabschnittes ausmacht.Vor Allem aber dürfte in diesem Zusammenhänge zu beachten sein,
Mlisikal. Vorträge. V. 25