Druckschrift 
1 (1852)
Entstehung
Seite
427
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B. Der melodische Gesichtspunkt.

Jede Figuraistimme stellt sich vor Allem als eine Melodie daruud wirkt als solche, muss also, so viel ihr Inhalt und ihr Ver-hällniss zu den andern Stimmen erlaubt, den Gesetzen der Melo-die genugthun. Von diesen sind besonders zw’ei im Voraus zuerwägen.

1. Stetigkeit in der Durchführung.

Ueberail haben wir die einmal ergriffnen Richtungen und Mo-tive festzuhalten gesucht und sind von ihnen nicht ohne Grund aufandre übergegangen. So wollen wir auch hier thun. Haben wireinmal irgend ein Motiv ergriffen, so müssen wir es als ein sol-ches betrachten, das entweder unserm künstlerischen Gefühl oderverständiger Wahl als das rechte erschienen ist; wir müssen esalso werth halten und uns ihm anvertrauen, es wirken lassen, soviel es nur vermag, und wollen nicht ohne Grund von ihm ab-gehn, gelegentlich auch gern auf dasselbe zurückkommen. Eingrundloses Wechseln würde nur dahin führen, dass keins der durch-eiuanderlaufenden Motive zur Wirksamkeit käme und das Gauzein Unruhe und Wirrniss geriethe. In dieser Hinsicht sind die Fi-guralstimmen in No. 546 und 550 zweckmässiger, namentlich ruhi-ger und einheitsvoller gestaltet, als die in No. 551, unter denenwieder die letzte am wirrsten erscheint. Auch die Figuration inNo. 552 ist wohl gebildet; sie wechselt stetig mit zwei Motiven.Die Figuren in No. 551 sind übrigens mit dem geringen Wechselihrer Formen und bei dem im Wesentlichen sich gleichbleiben-den Inhalte wohl noch fasslich und erträglich ; je bedeutender aberdie Verschiedenheit der einander verdrängenden Motive ist, um somehr tritt das Nachtheilige grundlosen Wechsels hervor.

2. Fester Zusammenhang.

Jede Melodie ist ein in sich geschlossenes Fortschreiten voneinem Ton zum andern, in dem sich die Beziehung jedes Tonsauf den ihm folgenden ausspricht. Diese Beziehung tritt um sostärker hervor, je enger das Verhältniss der Töne'zu einander ist;daher haben Töne, die diatonisch oder chromatisch, oder innerhalbeines Akkordes auf einander folgen, die nächsten Beziehungen zueinander, und die letztem um so mehr, je eher und bestimmtersie den zum Grunde liegenden Akkord kund geben.

Daher wird bei harmonischer Figuration der melodische Zu-sammenhalt um so stärker, je enger Töne eines Akkordes nebeueinander liegen; hier z. B.