Druckschrift 
1 (1852)
Entstehung
Seite
402
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lieh sind. Ein Phrygisch mit fis ( e , fis, g, a, h, c, d, e) würdenur ein versetzles Aeolisch, und zwar hypoäolisch sein; eine neueTonleiter, die mau auf der Dominante der phrygischen mit Hülfedes fis errichten wollte (h , e, d, c , fis , g, a , A), ergäbe keineneue Tonart, sondern ein Hypophrygisch , eine unfruchtbare Fort-bildung, die nicht im Sinne der Alten läge.

So ist also das Phrygische streng auf seine Unterdominanteverwiesen; es verbindet sich sogar in Ermangelung einer Oberdo-minanten-Harmonie mit dem Dorischen, obwohl das Dorische nie indas Phrygische ausweicht, und selbst der Stammton, das Aeolische,niemals in das Dorische modulirt; der einzige Fall, wo eine Ton-art regelmässig nach der Unterdominante und deren Enlerdomi-nante, geht, und zwar aus Moll in Moll und nochmals Moll.Wenn wir uns erinnern, dass der Karakter der Mollgattung ansich ein trüber, dass schon die Folge zweier Molldreiklänge trübund düster, dass der Schritt in die Unterdomiuante ein Herabsin-ken, eine Herabstimmung in dunklere ernstere Gefühle ist: so ent-hüllt sich der Karakter der phrygischen Tonart, soweit wir ihnbisher betrachtet haben, in seiner ganzen Düsterheit, in seiner tief-ernsten, ganz eigentümlichen Macht.

Aber unerwartet und höchst bedeutsam dringt in diese strenge,fast zu trübe Abgeschlossenheit ein lichterer Strahl, und färbt dieganze Tonregion. Wir werden inne, dass der phrygische Grund-ton (E) die Terz des ionischen (C) ist, in der Entstehungsreiheder Töne (No. 56) bekanntlich der zweite neue Ton, demErtöne nach der Dominante nächst verwandt. Ja, wir gewahren,dass der ganzen phrygischen Tonleiter ohne Weiteres die ganzeionische Tonleiter unterzulegen ist,

Phrygisch.

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§

Ionisch.]

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3=s

f- F -

wie der phrygischen Tonika die ionische. So knüpft nun die phry-gische Tonart eine unmittelbare, enge Verbindung mit dem feste-sten, hellsten Durtone, dem ionischen C, und durch dieses sogarmit dem hypoionischen G. Diese Verbindung aber bildet seinenKarakter nach der andern Seite hin aus. Schlagend tritt siehervor in den hochernsten, starkmuthigen Lulherliede von Tod undAuferstehung (Mitten wir im Leben sind), das sich in der fünften,achten und zehnten Strophe, zu den Worten: Das bist du, Herr,alleine heiliger Herre Gott heiliger starker Gott du ewi-ger Gott glaubensstark und mächtig in die ionischen Töne wen-det. Tiefsinniger, geistiger tritt das Ionische in der fünften Strophedes Liedes: 0 Haupt voll Blut und Wunden, zu den Worten: 0