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Wie stark spricht die Melodie sich als eine plagalische aus,wenn sie in so engem Baume sechsmal die höhere Dominanteberührt, und immer wieder hinabsiukt zur Tonika! Und wie karak-teristisch hält ihr dreimaliger Dominantenschluss den weichen, er-gebungsvollen Sinn des Ganzen fest, im Vergleich zu der so ähnlichenin No. 483 behandelten Melodie, die sogleich in der zweiten Stro-phe den festen Parallelton ergreift und sich daran stärkt! Auchhier konnte die erste Strophe nach der Parallele (Fdur) oder gardie zweite nach Fdur gewendet werden, zur Vermeidung des drei-mal wiederholten Schlusses auf der Dominante. Aber eben diesetrübere und mattere Einförmigkeit, haben wir gesehn, entsprichtdem äolischen Karakter; es genügt, dass in den letzten zweiStrophen nur vorübergehend das Ionische (Fdur) berührt wor-den ist.
Fassen wir nochmals beide Molltonarten, die dorische mit grosser,die äolische mit kleiner Sexte und beide mit kleiner Septime, dieaber als grosse gebraucht werden kann, unter Einem Gesichts-punkte vergleichend zusammen : so werden wir an einen Zweifelder neuern Theorie über die Bildung der Molltonleiter erinnert, denwir schon S. 153 zur Sprache gebracht.
Wir entschieden uns damals, dass das Mollgeschlechtkleine Terz, kleine Sexte und grosse Septimehaben müsse, — letztere wegen des uns unentbehrlichen Dominant-Akkordes. Der eigentliche Streitpunkt lag aber in der Sexte, diewir klein nahmen, damit Moll einen angemessenen Dreiklang aufder Unterdominante habe, und sich in mehr als einem einzigen Toneund Akkorde von Dur unterschiede. Dies ist auch offenbar dasKarakteristischere. Indess möglich war’ auch dem neuern Systemdie andre Entscheidung gewesen, die Annahme der grossen Sexte ;und hieran haben auch diejenigen gedacht, welche zweierlei Moll-tonleitern für unsre eine Molltonart festsetzen wollten. Sie gingenmit grosser Sexte und Septime hinauf, kehrten aber — weil dasKarakterlose, die zu grosse Aehnlichkeit mit Dur in die Augensprang — mit kleiner Septime und Sexte zurück.
In grossartigerer und tiefsinnigerer Weise fasst das alte Ton-system den Streitpunkt auf. Es versucht beide Möglichkeiten, be-nutzt aber, wie dann nothwendig war, jede derselben zu einer